Geduldsprobe
Eigentlich kann sich die römische Geschichte nicht über Mangel an Sadisten, Blutschändern, Usurpatoren und sonstigen Feinden christlicher Moral und neuzeitlicher Herrschertugenden beklagen. Dennoch hatten schon im frühen 18. Jahrhundert bestimmte Namen der antiken Chronique scandaleuse mehr Sensationswert als andere.
Und als im Dezember 1709 im Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig die Oper «Agrippina» mit Musik des 24-jährigen Georg Friedrich Händel herauskam, fand man in der Besetzungsliste die Namen von Nero und Poppea, die schon sechs Jahrzehnte zuvor in einer Oper des alten Claudio Monteverdi mit ihren Macht- und Liebesspielchen unterhalten hatten.
Bei Händel und seinem Librettisten, dem Kardinal und Theaterbesitzer Vincenzo Grimani, steht Nero freilich noch in den Startlöchern seiner Gewaltherrschaft, während Poppea auch hier schon all ihre berechnenden Verführungskünste einsetzt, um nach ganz oben zu kommen. Als Poppea-Pendant von heute würde sich die Expräsidentengattin Carla Bruni aufdrängen, doch setzt die aus Paris stammende, in Berlin ausgebildete Regisseurin Mariame Clément im Genter Haus der Flämischen Oper auf eine weniger justiziable Aktualisierung – wenn man ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Struck-Schloen
In Nancy gibt es im Museum, gleich gegenüber der Oper an der barocken Place Stanislas, ein Bild des von Apoll lorbeergekrönten Kastraten Marc’Antonio Pasqualini (1614-1691), der in Rom mit Kardinal Antonio Barberini ein Verhältnis hatte. So weisen die pikanten römischen Zustände der Barockoper bis ins Heute. Und in der Opéra de Lorraine werden jene immer noch...
«Man muss natürlich mit Kompromissen leben», sagt Vello Pähn. Seit August ist er Künstlerischer Direktor und Chefdirigent der «Rahvusooper Estonia», der estnischen Nationaloper in Tallinn. Zwanzig Jahre war Pähn auf Achse, gastierte vor allem in Westeuropa, auch in Japan und Amerika. Doch jetzt zog es den 54-Jährigen in die Stadt zurück, in der er aufwuchs und der...
Der Plan war ehrgeizig, und alle Beteiligten haben ihn ernst genommen. Trotzdem konnte er nicht funktionieren. Immerhin: Das Scheitern ist legendär. Jetzt lässt sich genauer als je zuvor nachverfolgen, was im Januar 1966 in einem überheizten Aufnahmestudio in New York passiert ist. An drei Tagen sollten Elisabeth Schwarzkopf und Glenn Gould Lieder von Richard...
