Gedankenspiele
Für sein neuestes Musiktheaterwerk hat Sidney Corbett auf ein nicht realisiertes Projekt Pier Paolo Pasolinis zurückgegriffen. Wie in seinem erfolgreichen Film «Das 1.
Evangelium – Matthäus», in dem Pasolini Jesus als kompromisslosen Prediger mit sozialrevolutionären Zügen darstellt, wollte er auch Paulus, die Zentralfigur im Übergang vom Urchristentum zur institutionalisierten Kirche, als moderne, von Zweifeln und inneren Widersprüchen zerrissene Figur in die heutige Zeit versetzen – ein am Ende Vereinsamter und Enttäuschter, in dem der Häretiker und Intellektuelle Pasolini auch eigene Züge erkannt haben muss. Er verwendet in seinem Treatment fast ausschließlich originale Bibeltexte, verfolgt das Leben des letzten, nicht mehr von Jesus selbst berufenen Apostels in einer «episodischen Tragödie» vom Damaskus-Erlebnis des zum Christentum Bekehrten bis zu seinem Tod und konfrontiert die Ereignisse, da es ihm nicht um historische Logik, sondern um die physische und materielle Gegenwart des Mythos geht, mit der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Jede Filmszene sollte darum einem Schauplatz der jüngsten Vergangenheit entsprechen, am Ende der Tod des Paulus mit der Ermordung Martin Luther Kings zusammenfallen. ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert
Mancher Mann wäre wohl gerne jener Luftstrom aus einem New Yorker Subway-Schacht Ecke Lexington Avenue und East 52nd Street, der die Schenkel der hinreißenden Platin-Blondine umkost und das weiße Kleid sich aufreizend bauschen lässt – überschäumenden élan vital und erotisches Versprechen suggerierend. Das Foto, als Wand- und Spind-Schmuck weltweit geliebt wie in...
Entdeckungen sind bei einem Komponisten wie Giacomo Puccini kaum mehr zu machen. Auch ein Frühwerk wie «Edgar» ist, wenngleich kein Repertoireknüller, leidlich bekannt, in Aufnahmen dokumentiert. In seiner dreiaktigen Gestalt. Doch die ist nicht das, was Puccini ursprünglich zu Papier gebracht hatte. Was, wenn «Edgar» nicht seine zweite Oper gewesen, sondern nach...
Die Tenor-Partien seiner 29 Opern hat Giuseppe Verdi für 21 Sänger geschrieben. Sein erster Favorit war Gaetano Fraschini, vom Typus her wohl ein lirico-spinto, ähnlich wie Raffaele Mirate, der erste Manrico. Für Alvaro fand er in Enrico Tamberlik einen echten spinto, während er aus der Partie des Don Carlos eine Arie streichen musste, um Jean Morère seine Aufgabe...
