Frohsinn zum Abschied
Als Schwanengesang nicht nur der sechzehnjährigen Generalintendanz Joseph Volpes an der Metropolitan Opera, sondern auch der Regiekarriere Otto Schenks kommt dem neuen «Don Pasquale» in gewissem Sinne historischer Stellenwert zu. Natürlich wundert es niemanden, wenn das Ganze durch und durch konventionell ausfällt. Dass die Herren Volpe und Schenk niemals ästhetische Pioniere waren, ist allseits bekannt. Doch dass sie ihr Handwerk beherrschten, wird niemand ernstlich bestreiten.
So hatte man gehofft, dass ihre letzte Zusammenarbeit sich als eine Art Fazit erweisen könnte, das eine Ära von beträchtlicher Dauer zum glanzvollen Abschluss bringen würde: als perfekt poliertes Museumsstück eines verklingenden, wenn nicht schon längst verklungenen Stils.
Doch leider wurde daraus nichts. Im Wesentlichen bekam das Publikum uralte Bühnenmaschen zu sehen, mitunter in grober Ausführung. Erklingt im Orchestergraben der erste Ton, so hebt sich der goldene Met-Vorhang, dahinter prangt ein Prospekt mit pittoreskem Stadtbild von Rom, schlecht gemalt, in ausgelaugten Farben. Schwebt diese Kitschvedute in den Schnürboden, erscheint Don Pasquales bröckelndes Stadtpalais. Im zweiten Bild haben wir es ...
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Sowohl im Schauspiel als auch in der Oper verwendet Klaus Michael Grüber gern Ironie. Das ist bei «Boris Godunow» in Brüssel nicht anders. Am Schluss der Oper, wenn in die selten gespielte Szene im Wald von Kromy der falsche Zar Dmitri platzt, kann man ein Lachen kaum unterdrücken: Dmitri trägt den blechernen Spielzeug-Harnisch eines Ritters und einen ebenso...
Das Cottbuser Staatstheater hat sich unlängst einen Deus ex machina zugelegt – er hört auf den Namen Tamino. Gleich nach der Ouvertüre fällt er, ein Bruchpilot mit ledernem Fliegerkäppi, vom glühbirnenflammenden Bühnenhimmel, um eine in ramponierten Beziehungskisten erstarrte Kommune aufzumischen, die man eher bei Beckett oder in der Rocky Horror Picture Show als...
Es war kein Abend des Bühnenbildners. Ein zum Käfig umfunktioniertes Bettgestell für Tatjanas Briefszene und ein schmaler Steg für das Duell sind die einzigen nennenswerten «Bauten» in David Hermanns Inszenierung von «Eugen Onegin». Es sind die Menschen, die die Bühne beherrschen: ihre Unfähigkeit sich zu begegnen, die unausgesprochenen Sehnsüchte, die...
