Fremd im eigenen Land
Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus.
«Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt, dass die Kultur, die mutigsten Projekte umsonst sind; […] wenn es euch scheint, als nähmet ihr bloß Teil an einer höhnischen Inszenierung – was geschieht dann in eurem Leben?»
Die Konsequenz für Sciarrinos Leben ist klar. Seine musikalischen Konzepte und Visionen erreichen kaum mehr die Landsleute, obwohl sie der italienischen Kultur von zwei Jahrtausenden emphatische Reverenz erweisen. Sciarrinos Werke fürs Musiktheater kommen nicht in Mailand, Rom oder Neapel auf die Bühne, sondern in Schwetzingen, Wuppertal, Mannheim. Natürlich spiegeln diese Uraufführungsorte auch das Vertrauensverhältnis zum Opern- und Festivalleiter Klaus-Peter Kehr, der Sciarrinos Bühnenwerke seit den neunziger Jahren propagierte.
Mit seiner Zivilisationskritik gibt uns Sciarrino eine konkrete Lesart seiner neuen Oper an die Hand, die freilich weder ...
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Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle...
Ein Sensationserfolg. Als Bruno Walter im Dezember 1920 Walter Braunfels’ Aristophanes-Oper «Die Vögel» dirigierte, ahnte niemand, dass allein die Münchner Uraufführungsproduktion innerhalb von zwei Jahren 50-mal auf dem Spielplan stehen würde. Kein Wunder, dass das Stück ganz oben auf der Liste von Musikern steht, die sich für die Wiederentdeckung und...
Ein erstaunliches Ritual ereignete sich am 24. Dezember des Jahres 1907 in einem unter-irdischen Gewölbe des Palais Garnier, der Pariser Opéra: Eine Gruppe vornehm gekleideter Würdenträger deponierte dort an entlegener Stelle zwei topfartige Gefäße, in die man 24 Schallplatten mit Aufnahmen bekannter Sänger und Instrumentalisten dieser Zeit versenkt hatte, «Urnen»,...
