Frei sein
Frau Crebassa, Mozarts Sesto ist in letzter Zeit zu einer Ihrer wichtigsten Rollen geworden. Sie haben die Partie 2017 in der Salzburger Neuproduktion von «La clemenza di Tito» unter Teodor Currentzis gesungen, wenige Monate später in einer von Dan Ettinger geleiteten Wiederaufnahme der Willy Decker-Produktion im Pariser Palais Garnier. Waren das, musikalisch betrachtet, zwei verschiedene Welten?
Das kann man wohl sagen. Aber ich muss vorsichtig sein. In Salzburg gab es natürlich eine lange Probenphase, da lernt man sich gut kennen.
In Paris waren für die Wiederaufnahme nur sechs Probentage angesetzt. Und ich hatte vorher nie mit Dan Ettinger gearbeitet. Insofern vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen. Zu Teodor Currentzis kann ich aber schon einiges sagen. Er ist ein Musiker, der sehr eigenwillige, besondere Vorstellungen hat. In Salzburg konnte er die mit seinem eigenen Orchester und Chor umsetzen. Ich meine damit gar nicht die Striche und Ergänzungen, die er gemeinsam mit dem Regisseur Peter Sellars einführte. Sondern die Tatsache, dass er die Musik, die Partitur zu einer sehr persönlichen Sache macht. Der Salzburger «Titus» klang für mich barock, die Tempi waren ungewöhnlich, es ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Interview, Seite 52
von Albrecht Thiemann
Dass die Musikgeschichte nicht linear verläuft, anders als mancher deutsche Musikideologe uns bis zum Anbruch der Postmoderne weismachen wollte, war für Operngänger während der 1920er-Jahre allabendliche Erfahrung. Neben Strauss, Puccini, Schreker, Korngold und Berg blühte mit einem Mal diametral die Zeitoper: pointierte, freche, meist kurze Bühnenwerke, die oft...
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers...
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein...
