Frauenpower
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben hinreichend unterscheiden. Kaum minder anspruchsvoll ist es, das Werk szenisch zum Sprechen zu bringen.
Vivaldi war zwar eigentlich ein Mann der Oper, gleichwohl besitzt «Juditha Triumphans» deutlich weniger dramatischen Puls als etwa Händels englische Oratorien.
In dem Stück gibt es nur wenige echte Opernmomente, dafür viel Stillstand, wenngleich in reizvollster musikalischer Ausführung. Zugrunde liegt die biblische Geschichte der Stadt Bethulien, die vom assyrischen General Holofernes belagert und von diesem durch die jüdische Witwe Judith befreit wird, indem sie ihn bezirzt, betrunken macht und dem Schlafenden schließlich mit seinem eigenen Schwert den Kopf abschlägt.
Dem niederländischen Regisseur Floris Visser fällt dazu leider nur eine arg überstrapazierte Konvention ein: Er verlegt den biblischen Krieg in die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
Ganz schön verbiestert, halsstarrig schauen sie aus den gebügelten Oberhemden, Strickwesten und Hauskitteln: die knorrigen Ländler, die sich da in einem schwer renovierungsbedürftigen, mit klobigen Holzschränken und Biertischen möblierten, von einer stockfleckigen Decke überwölbten Saal versammeln. Als ob sie aus der Monotonie ihrer kargen Existenz in den...
Portugiesische Oper – das ist eine noch relativ junge Geschichte. Zwar wurden bereits im 18. Jahrhundert an den Höfen Portugals zahlreiche neue Stücke komponiert und aufgeführt, doch blieben diese Werke in der Regel italienischen Mustern verhaftet. Noch im 19. Jahrhundert war es beinahe aussichtslos, ein Libretto in der Landessprache durchzusetzen. Und selbst nach...
Das Stück wird selten gespielt. An Amilcare Ponchiellis süffiger Partitur mit dankbaren, herausfordernden Gesangspartien, imposanten Chor-Tableaus und dem Wunschkonzert-Hit «Tanz der Stunden» kann es nicht liegen. Eher wohl an dem haarsträubenden Plot von «La Gioconda». Im schnellen Takt reiht sich da eine reißerische Krimi-Szene an die nächste: Hexenwahn,...
