Frauenliebe und -leiden
Ist’s ein Engel? Glaubt man Wolfram, der das Wort späterhin im «Tannhäuser» benutzt, um seinen abtrünnigen Sangesbruder Heinrich zu retten, müsste man es annehmen. Doch ein Engel würde wohl kaum die «allmächtige Jungfrau» bemühen, um seine zerrüttete Seele in die nötige Balance zu bringen. Und eben dies tut Elisabeth, kaum ist der Chor der Pilger vorübergezogen, in weißes Leinen gehüllt wie sie selbst, in höchster Lebensnot. Eine Wandlung geht hier vor, die musikalisch faszinierend gestaltet ist.
Vom geheiligten, nachgerade gottvollen Es-Dur, jener Tonart, die das Werk beschließen (und damit letztgültig die E-Dur-Erregung des Venusbergs bannen) wird, schleicht die Musik über f-moll zur Dominante von G, einem D-Dur-Dominantseptakkord. Käme nun das Auftrittslied der Elisabeth, «Dich grüß’ ich, teure Halle», würde diese Dominante folgerichtig «landen», in G-Dur. Doch kaum hat das «Gebet» begonnen, verwandelt sich der Akkord in enharmonischer Verwechslung (Fis-Ges) und chromatisch vom C zum Des hinaufrückend in die Dominante der neuen Tonart Ges-Dur. Und dies mit hinreichendem Grund: Es hat sich etwas verändert in dieser Welt. Grundsätzlich.
Und dann steht er da, inmitten der ...
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Das 12. Opernfestival Gut Immling stand unter dem Motto «Belcantozauber» – und fand in neuem, leuchtend blauem Gewand statt: Mit Sponsorengeldern wurden Wände und Dach der Theaterscheune isoliert und gestrichen. So ist der Raum zu jeder Jahreszeit wohltemperiert, bei Regen prasselt es weniger laut als bisher. «Nun kann man auch Pianissimo spielen», schwärmt...
Das Gefühl, dass früher alles besser war, entspringt in der Regel eher dem Unbehagen an der unübersichtlichen Gegenwart oder dem Willen zu nostalgischer Verklärung als überprüfbaren Fakten. Vergleicht man das Niveau des Wagner-Gesangs heute mit dem der Vorkriegs- und ersten Nachkriegsjahrzehnte, kann man gleichwohl ins Grübeln kommen. Der Daland, Landgraf oder...
Als Schüler hatte ich das englische Magazin «Opera» abonniert, in dem den Premieren und Wiederaufnahmen des Royal Opera House naturgemäß breiter Raum gegeben wurde. Viele der Aufführungen, die ich dort beschrieben fand und die ich nur zu gern miterlebt hätte, finde ich nun zumindest als Tonkonserve in einer neuen Reihe «Heritage Series» wieder, die von der Oper...
