Frankfurt: Böse Soap
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die Neugier auf diesen typisch vom Zeitstil des frühen 18. Jahrhunderts bestimmten Gluck ist nur zu berechtigt. Auch mit dem vielfach vertonten Libretto von Pietro Metastasio steht er präsentabel da.
Vier Männer und zwei Frauen werden so ausführlich (dreieinviertel Stunden) gegeneinander ins Feld geführt, bis alle erdenklichen Konstellationen und Spannungsmomente ausgeschöpft erscheinen. Dabei wird säuberlich das Tabu beachtet, dass der Herrscherfigur kein Haar gekrümmt werden darf. Zu Tode geht hier keiner – obwohl es sozusagen alle bei allen (außer, sie wären unglücklich Liebende) darauf anlegen.
Die alchemistische Kunst, funkelnd bösartige Soap Operas zu konzipieren, beherrschte man also lange vor Hollywood. Und mit seinen virtuos auf (künstlichen) Gefühlsklaviaturen spielenden höfischen Scharaden ist Metastasio wohl auch ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Man wollte es nach der Wende sogar abreißen. Seit 2007 war es geschlossen, nun wurde das Erkel Theater als zweites Haus der Ungarischen Staatsoper wiedereröffnet. In neuem Glanz, könnte man sagen, wenn das «Lifting» des in seiner 100-jährigen Geschichte mehrfach umgebauten Hauses nicht auch diesmal karg ausgefallen wäre. Als Ausweichquartier für die Staatsoper,...
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
