Fränkischer Dickschädel und Opernreformator
Der Name Gluck ist untrennbar mit der Opernreform verbunden, und dennoch kann er als der unbekannteste unter den großen Komponisten des 18. Jahrhunderts gelten. Zwei neue Monografien, die ersten seit mehr als 50 Jahren, suchen hier Abhilfe zu schaffen. Gerhard Crolls in Zusammenarbeit mit seiner Frau Renate entstandenes Buch verspricht eine Gesamtdarstellung von Leben und Werk. Als altgedienter Gluck-Forscher und langjähriger Hauptherausgeber der neuen Gesamtausgabe ist er gewiss einer der besten Kenner des Komponisten.
Großes Gewicht legt er auf die Frühzeit und die Jahre bis zur endgültigen Etablierung am Wiener Kaiserhof. Trotz schlechter Quellenlage entwirft Croll ein differenziertes, manchmal allerdings allzu spekulatives Bild des fränkischen Dickschädels, der sich auf seinen Reisen in Europa zwar als ungemein lernbegierig und anpassungsfähig erwies, sich aber seine Überzeugungen nicht abkaufen ließ und diese dann vor allem in seinen beiden letzten Schaffensjahrzehnten mit großer Zähigkeit durchsetzte.
Unbefriedigend dagegen ist, was Croll zum Werk und seiner Einbettung in die opernästhetischen Diskussionen der Zeit ausführt. Der geistesgeschichtliche Hintergrund bleibt ...
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