Flucht nach vorn

Berg: Wozzeck in Gera

Opernwelt - Logo

Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer Decke und einem ansteigenden Boden, verjüngt sich nach hinten ins Nichts. Von dem Moment, in dem sich der Vorhang hebt, ist klar, dass hier eine Geschichte unausweichlich auf die Katastrophe zusteuert.

Die Decke senkt sich bis zu der niedrigen Raumhöhe, die Maries Kammer und zugleich jene Decke symbolisiert, nach der sie sich im Leben strecken kann. In der Tiefe der Hinterbühne, gleichsam in deren Fluchtpunkt wechselnde Motive – mal hängt dort eine Scheibe, die den Mond und im nächsten Moment die untergehende Sonne darstellt, mal ein blutiger Rinderkadaver, mal ziehen die Soldaten mit dem Tambourmajor an der Spitze vorbei, dann herrscht wieder nur bedrückende Schwärze. Die Figuren wirken wie eingefroren, die surrealistischen, an Salvador Dalí erinnernden Tableaux leben von der Sprache der Farbe. Es sind starke Bilder, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spiel der Herzen

Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...

Editorial

Wenn die Nachricht stimmt, ist es eine gute: Kirill Petrenko soll den Bayreuther «Ring» zum Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Das sagt mehr, als die beiden Halbschwestern, die die Festspiele in diesem Sommer erstmals leiten, sonst im Moment sagen wollen und können. Es bedeutet nämlich, dass Bayreuth bis 2015 glänzend aufgestellt ist, was die Dirigenten betrifft. Die...

Übersteuert

Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» wurde 1920 uraufgeführt, und zwar gleichzeitig in Hamburg und Köln. Ein Erfolg, von dem sich das Junggenie nie mehr erholte. Soweit, so bekannt. Mit dem Datum 1920 verbinden sich auch viele aufführungspraktische Aspekte, die weit weniger bekannt zu sein scheinen. Wie dezent konnte das vorgesehene Mammutorchester damals...