Flotter Dreier
Frau zwischen zwei Männern – wie viele französische Filme variieren dieses Stereotyp? In der Oper des 19. Jahrhunderts stand dem offenen Umgang mit solchen Dreiecksbeziehungen freilich die sittenstrenge Zensur im Weg – zumal in Italien, aber auch in Paris. So ist es ein Glücksfall, dass nach der Revolution von 1848 die Theaterzensur kurzzeitig aufgehoben war und Adolphe Adam – wer kennt etwas von ihm außer der Arie vom «Postillon von Longjumeau-eau-eau»? – die Chance ergriff, die pikante Konstellation mit einer nicht minder pikanten Musik auf die Bühne zu bringen.
«Le Toréador ou L’accord parfait» macht schon im Titel deutlich, dass erst drei einen vollkommenen Akkord bilden. Dennoch haben Adam und sein Librettist Sauvage auf die Empfindlichkeiten ihres Publikums Rücksicht genommen und ihre Geschichte ins 18. Jahrhundert zurückdatiert. Der nostalgische Verweis auf die damals in Paris spielenden italienischen Theatertruppen garantiert Distanz und ironische Brechung zugleich: Coralines Verehrer Don Belflor kündigt sich jeweils an, indem er ihre Lieblingsarien auf der Flöte bläst. Die «opéra-bouffon» von 1849 ist Theater über Theater, Musik über Musik – in der Luzerner Bearbeitung mit ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Anselm Gerhard
Manchmal entpuppen sich Konflikte, die man für aktuell hält, als verblüffend alt. Afghanistan ist ein von Warlords und lokalen Clanführern zerrissenes Land? Der Iran spielt mit den Muskeln und will regionaler Hegemon werden? Alles so oder so ähnlich schon mal dagewesen – eine Barockoper zeigt es. 1709 hat der afghanische Stammesfürst Mir Wais die Provinz Kandahar...
Die Offenbach-Philologie ist eine Katastrophe. Wer wissen möchte, in welcher Form der Meister seine Werke niederschrieb, greift seit 1999 zu der vom Verlag Boosey & Hawkes sogenannten «Kritischen und praktischen Ausgabe» von Jean-Christophe Keck. Die Bezeichnung macht stutzig. Eine praktische Ausgabe macht Theatern ein Werk in spielbarer Form zugänglich. Eine...
Der Prolog gehört zwei Jägern. Gamsbartfedernd reißen sie auf Bayerisch ihre Judenwitze, später trägt der Chor noch drohend Transparente an die Rampe, die ein Judenverbot für den deutschen Wald fordern. Und dann ist es auch schon wieder vorbei mit der Aktualisierung. Keine Antwort auf Veit Harlans unsäglichen Film ist der Abend, keine unverbrämte Problemwälzerei....
