Flachrelief und Improvisation
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu solchen Gedanken wird man durch zwei neue Inszenierungen von Verdis «Simon Boccanegra» angeregt, die an der Nederlandse Opera Amsterdam beziehungsweise an der Pariser Bastille-Oper herausgekommen sind.
Es bietet sich für eine schnelle Dramaturgie natürlich an, die politische Szenerie des gegenwärtigen Italien à la Berlusconi und Prodi auf das Melodramma von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito zu projizieren. Das auf den ersten Blick große Durcheinander in der Handlung entspricht durchaus der gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Realität, auch wenn man den Giftmord(versuch) inzwischen an andere Länder abgetreten hat, siehe Ukraine. Doch solche hurtigen Parallelisierungen tangieren bestenfalls die Oberfläche der Geschichte. Wenn Verdi den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern im Genua des frühen vierzehnten ...
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Warum nicht einmal so, wie sich Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» am Luxemburger Grand Théâtre in der Fassung der Berliner Volksbühne präsentieren? Was exaltierte Musiktheaterregisseure schon alles mit der deutschsten aller deutschen Opern angestellt haben, wobei sie sich stets furchtsam an die komplette Partitur klammerten, das kann einen...
Seit zweihundertfünf Jahren spielt Emanuel Schikaneder die Panflöte, oben auf dem Papageno-Tor seines Theaters an der Wien, dessen Recycling zum (Stagione-) Operntheater von der heimischen Fachpresse mit Jubel begrüßt wurde. Dass aber das Haus in den letzten Jahrzehnten vor allem als Kommerzbühne diente und mit Musicals wie «Anatevka», «Der Mann von La Mancha» (mit...
Ein Hörnerchor bereitet den Boden. Dann winden sich Solo-Celli traurig um einander. Aber nicht Agathe hebt, wie nach diesem Vorspiel zu erwarten, «leise, leise» ihren Nachtgesang an, vielmehr trauert die Mauren-Prinzessin Noraïme mit ebenso «frommer Weise» um Almanzor, der gleich aus nächtlicher Schlucht hochkraxeln wird. Dass Carl Maria von Weber Cherubini-Fan...
