Feuerzauber

Das Mährisch-Schlesische Theater in Ostrava zeigt viel Ambition mit wenig Geld

Opernwelt - Logo

Die Musik klingt, als wäre ihr die Buße für eine unbekannte Schuld auferlegt. Vielleicht die der späten Geburt. Bedenkt man, dass bereits 1965 – ein halbes Jahrhundert vor dieser Uraufführung von Jan Klusáks «Philoctetes» Mitte Mai 2015 im Antonin-Dvorák-Theater zu Ostrava – am gleichen Ort ein Happening John Cages mit Merce Cunningham und Robert Rauschenberg über die Bühne ging (eine Bronzetafel im Foyer erinnert daran), hechelt Klusáks Oper der Zeit entschieden hinterher. Doch sie ist gediegen gearbeitet, erinnert an den späten Strawinsky, auch an die Zweite Wiener Schule.

Energisch konturiert die Musik die Figuren, füllt die umfangreichen, Sophokles entliehenen Sprachhülsen, die vorzugsweise rezitativisch behandelt werden, mit interessanten Farben. Die Produktion – in Kooperation mit dem Nationaltheater Prag – stellt so etwas wie eine späte Rehabilitierung des Komponisten dar, dessen Schicksal jenem der Titelfigur nicht unähnlich ist: Philoctetes, einer der griechischen Heerführer vor Troja, wird nach einem Schlangenbiss siech und auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Erst als man ihn als Kriegstaktiker benötigt, holen Odysseus und Neoptolemos ihn zurück. Klusák (Jahrgang 1934) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Der polnische Verdi?

Einem patriotischen Polen kämen keine Bedenken, Stanislaw Moniuszko an den Größten seiner Zeit zu messen und ihn als polnischen Verdi zu bezeichnen. Dabei hat den nur sechs Jahre jüngeren Moniuszko eine ähnliche politische Situation geprägt wie den italienischen Kollegen. Das Kongress-Polen von 1815 war ein schwacher und abhängiger Staat, Erhebungen 1830 und 1846...

Mal ehrlich... Aus dem Leben eines Taugenichts

Es ist noch gar nicht lange her, da blamierte sich Stéphane Lissner, als er in einem TV-Quiz Arien identifizieren sollte und vier von fünf nicht erkannte. Das YouTube-Video wurde flugs in der gesamten Szene herumgereicht, und so mancher Opernfreund zeigte sich, gelinde gesagt, überrascht. Wie bitte? Der einstige Chef der Scala, jetzt Intendant der Pariser Opéra...

Hingehört, durchschaut

Gaetano Donizettis «Poliuto» wurde 1838 in Neapel verboten, weil die Zensoren fanden, der Stoff habe auf einer weltlichen Bühne nichts verloren. Durchaus riskant, ein traditionell mit Champagner-Picknicks und dem Entertainment von Firmenkundschaft assoziiertes Opernfestival mit etwas so Schwerverdaulichem zu eröffnen. Der 1848 endlich uraufgeführte Dreiakter...