Feuerwerk der Posen
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem steifbeinigen Rampentheater-«Trovatore». Ungleich ertragreicher und witziger ist nun Damiano Michielettos furiose Deutung von Rossinis «Il viaggio a Reims».
Er lässt Rossinis spät wiederentdecktes dramma giocoso in einem sich ständig verändernden Einheitsraum spielen, der eine Mischung aus Galerie, Museum und Auktionshaus ist.
Die Krönungsoper zu Ehren König Karls X. von Frankreich spielt im Hotel zur «Goldenen Lilie», in dem die mehr oder weniger hochwohlgeborenen Gäste auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten aufgrund logistischer Probleme unfreiwillig festsitzen. Die internationale Gesellschaft feiert schließlich ohne König eine eigene Party, die Rossini für eine rasante Abfolge von Bravournummern nutzt.
Die Revuemechanik lässt sich trefflich und sogar mit Gewinn in die Kunstwelt verlagern, und Michielettos Regie zieht alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller
Robert Schumann meinte zum Finale von Chopins b-Moll-Sonate ratlos-lakonisch: «Musik ist das nicht.» Was aber ist es dann? Abgründig nennt sie Victor Hugo «das Geräusch, das denkt»: der Klang als autonomes Subjekt. Beethovens Credo «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» hat den metaphysischen Anspruch noch einmal übersteigert: Komponieren...
Mit zwei Alleinstellungsmerkmalen wollte Dessaus scheidender Intendant André Bücker seinen «Ring» unverwechselbar machen: Zum einen ließ er Raum und Kostüme im Stil von Oskar Schlemmers Bauhausbühne gestalten; zum anderen erzählte er die Story rückwärts, die «Götterdämmerung» stand also am Anfang (Premiere war im Mai 2012). Das ist die Reihenfolge, in der Wagner...
Zwei Stämme menschenfressender Indianer als Gleichnis für die Mächtigen seiner Zeit: Johann Nestroy ging nicht gerade subtil zu Werke, als er 1862 den «Häuptling Abendwind» auf die Wiener Bühnenbretter brachte, eine «indianische Faschingsburleske» mit Musik von Jacques Offenbach. Dass aus dem kleinen Singspiel gut 150 Jahre später eine Punkoperette werden würde,...
