Festtag für die Ohren
Gilbert-Louis Duprez auf der Bühne – als Arnold in Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell». Gleich muss das berühmte «do di petto» kommen, das mit voller Brust geschmetterte hohe C, das das Publikum zur Raserei und Rossini an den Rand eines Herzinfarkts brachte. Doch es kommt nicht mehr. Vorhang. Nun hat Rossini Mitleid. Er nimmt den gescheiterten Ritter der Hochtöne bei sich auf – als Diener.
Sehr ironisch, diese Fiktion der Filmemacherin Helma Sanders über jenen Sänger, der eine neue Zeitrechnung in der Oper schuf.
In die von ihm eingeleitete Umbruchphase des Genres stößt auch «Espoir», das Album von Michael Spyres. Espoir, Hoffnung: Dies beschreibt nicht zuletzt den unbeirrbaren Willen, der Duprez (1806-1896) auszeichnete – als er etwa als junger Künstler an seiner Gesangstechnik zweifelte und nach Italien übersiedelte, um ein «neuer Sänger» zu werden. Im Leben von Michael Spyres aus Mansfield, Missouri, gab es eine ähnliche Phase: Er begann zunächst als Bariton, merkte dann aber, dass er sich in höheren Lagen wohler fühlte, und stellte seine Stimme entsprechend um; inzwischen gilt der Sänger als einer der Besten im tenoralen Belcanto-Fach.
Spyres’ Timbre ist schlank und ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die...
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Inter...
