Ferne Frauen, ferne Heimat

Gießen und Bremen nehmen sich des tschechischen Kosmopoliten Bohuslav Martinu an: «Mirandolina» und «Juliette»

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Für die vier «Klassiker» der tschechi­schen Musik war die Oper kein Nebengleis. Das immerhin haben Bedrich Smetana, Antonin Dvorák, Leos Janácek und Bohuslav Martinu gemeinsam. Smetana, der Älteste, figuriert als Schöpfer der tschechischen «Nationaloper» – zum Teil späte Selbststilisierung, zum Teil von der Nachwelt erteiltes Attribut. Eine gewisse Berechtigung kommt ihm zu, weil Smetana ausschließlich tschechische oder ins Tschechische verpflanzte Sujets in seinen fertiggestellten Opern komponierte.

Dvorák, in der Regel mit (noch) glückloseren Librettisten liiert, öffnete sich für internationale Vorlagen, hatte seinen bedeutendsten Musikbühnenruhm aber dennoch mit der von Heimatklängen durchfluteten «Rusalka». Ein Sonderfall: Janácek. Slawophil und scheinbar Ausdruck provinziell mährischer Verhältnisse, gehören seine Musikdramen zu den herausragend-allgemeingültigen Darstellungen der conditio humana im 20. Jahrhundert. Demgegenüber zeigt sich das Opernœuvre des Jüngsten der vier, des nah der mährischen Grenze 1890 geborenen und 1959 in der Schweiz gestorbenen Bohuslav Martinu, wieder diffuser. Gewichtiges findet sich darunter, aber der Eindruck einer gewissen Buntscheckigkeit ist ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hans-Klaus Jungheinrich

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