Fauler Zahn
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt. Aneinandergebunden, schweben diese bunten Tüten als merkwürdiges Fetzenwesen im Bühnenhorizont, als sei der hexenartige «Hausgeist» aus Max Ernsts Gemälde entflogen.
Erst bei genauerem Hinsehen lässt sich die Kontur eines Drachenkopfs identifizieren.
Ein bizarres memento mori aus unserem Wohlstandsmüll, das Hermann Feuchter als vielsagendes Bühnenbild zur Uraufführung von Peter Eötvös’ neuestem Musiktheater «Der goldene Drache» ins Bockenheimer Depot bauen ließ. Entstanden als Koproduktion zwischen der Frankfurter Oper und dem Ensemble Modern, basiert Eötvös’ nunmehr elftes Bühnenwerk auf dem gleichnamigen Erfolgstheaterstück von Roland Schimmelpfennig, einer unzweideutigen Kritik an der Immigrationspolitik der reichen westlichen Industriestaaten. Ein chinesischer Junge, auf der Suche nach seiner Schwester in einem europäischen ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Reinhard Kager
Der Komponist Gerhard Stäbler (Jahrgang 1949) gehört zu den Künstlern, die auf Messers Schneide operieren. Die gleichermaßen der angeblich reinen Autonomie des Ästhetischen (zumal der Systemgläubigkeit der Darmstädter Serialismus-Schule, die so monolithisch-dominant freilich gar nicht war) wie der Traditionsgattung Oper misstrauen, aber auch dem postmodernen...
Exakt 45 sind es. Heißt es. Und dass man Lust und Zeit hat, sie zu zählen, ist symptomatisch. Ein lautloses Spektakel. Riesige grau-metallische Röhren, die in Gruppen auf- und niederfahren, sich neigen bis zur Horizontalen, Blicke freigeben und wieder verstellen, das ist das Meisterstück der Schnürboden-Verwalter im Münchner Nationaltheater und von Bühnenbildner...
Aus den Schloten von Basstuba und Bassposaune steigen giftige Dämpfe auf – in übermäßigen und verminderten Quarten. Celli schmieren, dreifach geteilt, eine Mixtur aus chromatischen Quartsextakkorden auf den Untergrund wie Öl auf den Asphalt. Hörner und Holz bewegen sich in Gegenrichtung gleich Autos auf den Spuren einer Straße. Ihre Metren sind verschieden. Im...
