Familienzoff bei Schickis
Auch dieses Stück ist ein Fall für die ewig offene Frage: Wie es wohl sein kann, dass von einer einst so erfolgreichen Oper bald keiner mehr Notiz nahm? Von 1690 bis 1693 amtierte Johann Georg Conradi als Direktor des Hamburger Theaters am Gänsemarkt. Der Import von Lullys Werken ist ihm zu verdanken. Und auch ein Hit aus eigener Feder: «Die schöne und getreue Ariadne», uraufgeführt 1691, ist eine raffinierte Promenadenmischung.
Ouvertüre und Zwischenspiele, alles reich instrumentiert, klingen nach französischer Üppigkeit, manch virtuose Arie nach einem italienischen Meister, anderes wiederum, etwa Bacchus’ «Erinnre dich», wurzelt im deutschen Volkslied.
Vor elf Jahren widmete sich das Boston Early Music Festival der «Ariadne», die Anstrengung wurde auf einer exzellenten Einspielung (bei cpo) verewigt. Das Landestheater Niederbayern mit seinem Faible für die Mauerblümchen des Repertoires hat nun nachgelegt. Auch, weil das Stück so wunderbar in die kleineren Häuser von Landshut, Passau und Straubing passt.
In erster Linie ist die Produktion ein musikalisches Ereignis. Dirigent Kai Röhrig hat mit der Niederbayerischen Philharmonie (die um Experten verstärkt wurde) die Grammatik der ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel
Der Lebensrückblende geht es wie ihrem Bruder, dem Traum des Protagonisten. Sie sind auf der Opernbühne wahrlich nicht mehr der letzte Schrei. Dennoch, wo die Regie den Blick zurück im Wahn glaubwürdig zum Prinzip erhebt, muss sie das dürfen. Robert Carsen tat es bei Peter Tschaikowskys «Pique Dame» in Zürich.
Tot. Selbstmord. Bauchschuss. Hermann, langer Mantel,...
Impressum
55. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752268
Redaktion Opernwelt
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.05.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bacchus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden...
