Falco lebt
Man hätte schon gern gewusst, wie das klingt: Der Katastrophenakkord des Don Giovanni auf der E-Gitarre: herausgerissen aus klassischer Beschaulichkeit, hart hingefetzt, mit dem typisch wimmernden Nachhall? Hölle, Tod und Teufel? Leider erfährt man es nicht, denn der Typ, der mit Puderperücke und umgehängter Stratocast zu Beginn der Ouvertüre bei offenem Vorhang auf einem Hotelbett posiert, spielt bloß Luftgitarre. Aus dem Graben dagegen tönt es eher konventionell. Da hätte es schon eines Wilden des Originalklangs bedurft, um ein akustisches Äquivalent herzustellen.
Von Dennis Russell Davies und dem Bruckner-Orchester Linz war dies nicht unbedingt zu erwarten.
Der Mann auf dem Bett ist der sanftstimmige Martin Achrainer, Protagonist von Andreas Baeslers Linzer Inszenierung des «Don Giovanni». Und die Kombination von Puderperücke und Gitarre verweist auf den prominentesten Giovanni Österreichs, Johann Hölzel, besser bekannt als Falco. Baesler hatte sich gefragt, wer heute hinsichtlich gesellschaftlicher Position und vermeintlicher Handlungsfreiheit ein Äquivalent des adeligen Libertins vergangener Zeiten sein könnte, und kam auf die Stars der Popmusik. Von dort zum österreichischen ...
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