Fahrräder und ein schwebendes Vogelnest
Der Regimekritiker und Konzeptkünstler Ai Weiwei, Medienstar der 12. Kasseler Documenta, war trotz beschädigter Gesundheit (die Folgen von Schlägen durch chinesische Sicherheitskräfte) zur Premiere in die Hansestadt gekommen. Und er warf damit ein wenig Glamourglanz auf das momentan durch Finanzierungsschwierigkeiten und Rücktritt des Intendanten gebeutelte Bremer Theater. Immerhin stellte er mit den Ausstattungsentwürfen zu den Zemlinsky-Einaktern «Eine florentinische Tragödie» und «Der Zwerg» seine allererste Arbeit für die Bühne vor, und das mit beachtlichem Erfolg.
Zwei ganz unterschiedliche Bilderfindungen. Für die Ehebruchstragödie aus dem Florenz der Renaissance greift der Künstler auf sein Werk «Forever Bicycles» zurück und schafft eine Installation aus aufgetürmten Fahrrädern: ein leichtes, zartes Gebilde, das einen Kontrapunkt setzt zu dem düsteren Werk Zemlinskys. Poetisch, anmutig, floral, durch einen hohen Grad an Abstraktion allerdings auch – und darin liegt die Gefahr solcher Entwürfe – austauschbar. Dazu kleidsame, auf einfache Weise charakterisierende Kostüme. Insgesamt ein ebenso ästhetisch anzusehendes wie zweckdienliches Ambiente, in dem Regisseur Andreas Bode ...
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