Ex oriente lux
Zur Galionsfigur eines soziokulturellen Aufbruchs, wie sein Kollege Gustavo Dudamel, taugt der lettische Dirigent Andris Nelsons kaum. Kein fotogener Lockenkopf, kein schäumendes Temperament, kein kunterbuntes Jugendorchester, das sich politisch korrekt vermarkten ließe. Und auch keine mächtige Plattenfirma, die, flankiert von Promi-Mentoren wie Simon Rattle oder Claudio Abbado, mit volltönendem PR-Geklingel ein «Jahrhunderttalent» puscht.
Im Unterschied zu dem sechsundzwanzigjährigen Newcomer aus Venezuela, der bereits Verträge für Göteborg (ab sofort) und Los Angeles (ab 2009) in der Tasche hat, schickt sich der achtundzwanzig Jahre junge Balte gerade erst an, in eine globale Umlaufbahn durchzustarten.
Während der vergangenen sieben Jahre kümmerte sich Andris Nelsons vor allem um das Opernorchester seiner Heimatstadt Riga. Mit einundzwanzig stand er zum ers-ten Mal im Graben der Lettischen Nationaloper, mit vierundzwanzig kürte man ihn zum Generalmusikdirektor. Bevor er den Stab zur Hand nahm, hatte er in eben diesem Orchester Trompete gespielt. Ein Maestro, der aus der Mitte der Musiker kommt. Einer, der die Bedürfnisse und die Empfindlichkeiten, das Glück und den Druck eines ...
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Schluss jetzt, sagen die beiden leicht zerknitterten Herren auf dem Podium. «Es bleibt dabei, dies wird meine letzte Oper sein», meint der Ältere (82), der Jüngere (63) schließt sich an: «Das tue ich nicht mehr!» Und lächeln einander so verständnisinnig an, als könnten sie wirklich zurückblicken auf ein volles, rundes, von gemeinsamen Premieren gepflastertes...
Schlüsselerlebnisse hat man merkwürdigerweise oft erst dann, wenn man glaubt, einen Gegenstand oder ein Subjekt in- und auswendig zu kennen. Es war ein Abonnementkonzert des Freiburger Barockorchesters (FBO) in seiner Heimatstadt im Mai 2003. «Späte Klänge» standen auf dem Programm: Arriagas stürmerisch-drängerische frühromantische D-Dur-Sinfonie und Webers...
Kaum eine Trouvaille aus dem Fundus vergessener Bühnenwerke ist im deutschsprachigen Feuilleton so harsch abgekanzelt worden wie Alberto Franchettis um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandene (fünfte) Oper «Germania». «Ab in die Mottenkiste», forderte die Süddeutsche Zeitung nach der Premiere im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin – der ersten...
