Etappensieg
Es war der bis dahin wichtigste Abend seiner Karriere: Nachdem er Tamino und lange Florestan gesungen und sich über den «Meistersinger»-David, den «Holländer»-Steuermann und Rienzi ans Wagner-Fach herangearbeitet hat, debütierte der Niederösterreicher Andreas Schager jetzt als Siegfried beim «Ring» in Halle und Ludwigshafen – und eroberte die Herzen des Hallenser Publikums. Sein Tenor hat seit Tamino-Tagen einen metallisch harten Kern hinzugewonnen und trägt den ganzen Abend, ohne zu ermüden.
Der 40-Jährige, schlank, blond, großgewachsen, macht aus dem kühnen Knaben einen sympathisch-lockeren, unbekümmert und jungenhaft wirkenden Helden, der sich auf den Boden hockt, um Mime zu lauschen, und am Ende des zweiten Akts noch mal eben vor den Vorhang eilt, weil er dort Nothung vergessen hat.
Bei dieser Figur geht das Regiekonzept des Ludwigshafener Intendanten Hansgünther Heyme auf: Siegfried als Vertreter jenes neuen Geschlechts, das Wotan geschaffen hat, um die in Schuld verstrickte alte Welt zu retten. In anderer Hinsicht bleibt die szenische Arbeit oft im Illustrativen und Ungefähren. Wieder ist da die mit kryptischen Zahlen- und Buchstabencodes geschmückte schwarze Urnenwand, in ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt
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