Esels Freuden
Etwas Auffälliges übersehen? Dazu fällt uns Luciano Pavarotti ein, der in einer Talkshow mal vom schönsten Kompliment erzählte, das er je erhalten habe: In London habe ein Mann ihn auf der Straße ungewollt angerempelt und sich mit den Worten entschuldigt: «Sorry, I didn't see you ...» Zwar wirkt die Anekdote, angewandt auf die Spielplanpolitik der Wiener Opernbühnen, wie an den Haaren herbeigezogen. Doch im übertragenen Sinne und als Bild wäre sie durchaus adäquat, denn auch bei den Programmkonzeptionen scheint der kooperativen Aufmerksamkeit manch Gewichtiges zu entgehen.
Also kommt es bei neuen Produktionen immer wieder zu terminlichen Intimbeziehungen – wie nun bei Brittens «A Midsummer Night’s Dream», denn das Stück wurde in Wien innerhalb von eineinhalb Jahren zweimal neu inszeniert: im April 2018 am Theater an der Wien, nun im Haus am Opernring.
Immerhin ermöglicht dies Vergleiche. So dürften jene Besucher, die sich im Vorjahr am TadW von Damiano Michielettos Seelentherapie überrumpelt fühlten, nun erleichtert gewesen sein. Hatte der Italiener die Handlung als Traum(a) des Waisenkindes Puck in einem englischen Internat angelegt, so zielt Irina Brook im Einheitsbühnenbild, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
«Le Villi» sind rare Gäste auf der Bühne, zuletzt in Budapest im Frühjahr 2019. Die ursprüngliche, 1883 komponierte Fassung dieser ersten Oper Puccinis kannte man bisher nur aus dem Überblick in Dieter Schicklings Werkverzeichnis. Deren Titel «Le Willis» weist noch in der Verwendung des dem Italienischen fremden «W» darauf, dass es um Fantastisches aus dem nebligen...
Die präpotenten römischen Besatzer tragen Brustpanzer aus Plastik. Vittoria Yeo, Oberpriesterin der naturverbunden matriarchalischen Gallier, darf als Norma zu ihrer Signet-Arie «Casta Diva» eine Mondsichel in Händen halten. Die in edlen Tableaux erstarrten Damen und Herren des überwältigend eloquenten Chores behaupten die Ursprünglichkeit ihrer den Eroberern...
Tote Ratten unter den Garderoben, ein bestialischer Gestank aus der Kanalisation, eine Heizung, die nur unter Vollgas oder gar nicht funktioniert, nicht zu vergessen der Lärm, der von den Messehallen herüberschallt: Theater machen, das bedeutet in Landshut Ausnahmezustand. Seit fünf Jahren geht das schon so. Seit dieser Zeit spielt und singt das Landestheater...
