Es lebe der Diskurs!
Alles auf einmal wollen. Alles ausprobieren. Warum nicht? Leben besteht daraus: schauen, was geht, mal vor, mal zurück. Erst recht auf der Opernbühne des Als-ob-Lebens. Im Speziellen: an der Oper Halle. Die Dramaturgin kündigt an, die «Aida» sei auch ein Experiment. Gefühle sollen in Wallungen geraten. Wohlige Vorfreude breitet sich aus, zumal hier, wo Florian Lutz sich mit seinem Team daran macht, den leicht bekömmlichen Operngenuss zu Grabe zu tragen.
Das Publikum wird mit einem Video eingestimmt. Es verdeutlicht das Oberthema, das Regisseur Michael v.
zur Mühlen in Verdis Oper liest: Ausgrenzen der Fremden, Nicht-Gleichen, sprich: Aktualität. Wie sehen verschwommene Bilder eines Busses: «Reisegenuss» steht, in Versalien, auf seiner Anzeige. Ein Hohn, wir kennen die Bilder der Geflüchteten, die mit dem Bus in Clausnitz, Deutschland, ankommen und vom rechten Mob brutal angebrüllt werden. Dazu Stimmengemurmel: «Mein Mitmensch, mein Bruder ... eigenes Leben in Angriff nehmen ...».
Pappkulissen werden heruntergelassen, viel Gold, Palmen, altägyptische Exotik, so wie man sich das vorstellt – und wovon im Libretto die Rede ist. So sah die Bühne 1880 in Paris aus, bei der ersten ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Nora Sophie Kienast
Unweit des Tiefurter Schlosses steht es, weithin unbeachtet. Ein Denkmal für Wolfgang Amadé Mozart, errichtet vom Schweizer Johann Heinrich Meyer. Im eigentlichen Sinne aber ist es kein Denkmal, weil es denjenigen, dem es huldigen will, gar nicht zeigt. Auf dem Sockel, den die Inschrift «Mozart und den Musen» ziert, sieht man lediglich eine Lyra, Symbol für Apollon...
JUBILARE
Rachel Yakar kam in Lyon zur Welt. Nach einer Ausbildung zur Kostüm- und Modezeichnerin studierte sie am Conservatoire de Paris, wo sie drei Erste Preise gewann, später nahm sie Gesangsunterricht bei Germaine Lubin und Francesco Carrino. 1963 debütierte die Sopranistin als Frasquita in Bizets «Carmen» an der Opéra national du Rhin in Strasbourg. Ab 1964...
Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken,...
