Es brodelt
Fieber? Die Diagnose ginge zu weit. Aber es ist schon eine erhöhte Temperatur, die dieser Italiener aus Oberbayern gerade auslöst. Und das liegt nicht allein an seinem 250. Geburtstag, der am 14. Juni gefeiert wird. Schon seit einiger Zeit entreißt man die Partituren Johann Simon Mayrs, dem missing link zwischen Salieri und Donizetti, den Archiven. 2010 lief an der Bayerischen Staatsoper «Medea in Corinto», die Ingolstädter Mayr-Gesellschaft organisierte einige konzertante Aufführungen.
Und die Bayerische Theaterakademie hat mittlerweile «Adelasia ed Aleramo» im Prinzregententheater herausgebracht. (Die Hamburger Kammeroper, die bis Juni «Lauter Verrückte!» spielt, ist der Ausreißer in dieser großen süddeutschen Koalition.)
«Adelasia ed Aleramo» wurde 1806 mit Erfolg in der Scala uraufgeführt. Die Liebe des Titelpaares wird in diesem Zweiakter durch den Vater Adelasias bedroht, Kaiser Ottone, womit Mayr und Librettist Luigi Romanelli den Sohn Ottos des Großen meinen. Dem Tyrann entfliehen beide, werden jedoch entdeckt. Ottones Gattin Teofania kann noch so viel List anwenden – des Kaisers Wut und die Intrige eines Höflings bringen Aleramo an den Rand der Exekution. Der Monarch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Markus Thiel
Es hat seinen besonderen Reiz, Donizettis «Favorite» im Jahr des Wagner-Jubiläums zur Aufführung zu bringen: Die Erstellung des Klavierauszugs war die erste große Auftragsarbeit, die Wagner 1840/41 aus Geldnot für den Pariser Verleger Maurice Schlesinger erledigte (wofür er mit 1100 Francs gar nicht schlecht entlohnt wurde: Ein einfaches Hotelzimmer kostete damals...
«Learning from Las Vegas» heißt das Buch, mit dem der amerikanische Architekt Robert Venturi 1972 den Wertekanon der klassischen Moderne angriff. Schon der Titel war eine Provokation. Er verhieß eine Feier der bunten Oberfläche, des fluoreszierenden Ornaments, der neonflammenden Fassade. Er richtete sich vor allem gegen die Bauhaus-Kultur, die (von deutschen...
Die Satiriker-Formel trifft das Doppelbödige, Abgründige im Homo sapiens: Benimmt sich jemand wie ein Mensch, heißt man ihn «armes Schwein», verhält er sich wie ein Schwein, sagt er: «Man ist doch auch nur ein Mensch!». Goethes «Edel sei der Mensch, hilfreich und gut» und die Bestialität, der dieser fähig ist, bleiben Pfahl im Fleische hoher Humanität, belegen doch...
