Erlaubt ist, was mir gefällt
Musik zur Sprache zu bringen ist ein heikles Unterfangen; noch heikler jenes, Musik erzählen zu wollen. Alex Ross ist das Wagnis eingegangen – er schildert Musik nicht um ihrer selbst willen, nicht aus Theodor Adornos Begriff des musikalischen Materials heraus, sondern er schreibt aus der Perspektive des Hörers für Hörer. «The Rest is Noise» heißt das Buch des 1968 geborenen Autors des «New Yorker», und seine größte Schwäche ist zugleich seine größte Stärke: Es gibt sich hemmungslos amerikanisch-unbekümmert.
Alex Ross versucht, die Musikgeschichte der Moderne aus Sicht des US-Publikums allgemeinverständlich zu erzählen. Die deutsche Unterzeile, die der elegante Übersetzer Ingo Herzke dem Originaltitel beigefügt hat, macht es klar: Dieser 700-seitige Essay will «Das 20. Jahrhundert hören». Ross spitzt sein Thema auf kontrastierende Figuren zu, er erzählt souverän und pointensicher – bezahlt dies allerdings mit dem Griff zu anekdotischen Quellen von zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Seine Darstellung beginnt mit Richard Strauss’ «Salome», die er aus der freund-feindlichen Perspektive Gustav Mahlers schildert.
Dieser Kunstgriff lässt Ross seine These exponieren, wonach sich die Musik des ...
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Das Genre der Autobiografie hat in den letzten Jahren zunehmend desaströse Formen entwickelt. Sobald jemand die Schwelle zum «Star» genommen hat – wie auch immer man diese Schwelle definieren mag –, fühlt er oder sie sich bemüßigt, Memoiren zu verfassen, unabhängig von Alter, Erfahrung und Gehalt. Nun hat also Roberto Alagna seine Autobiografie geschrieben, mit 47...
Wo er Recht hat, hat er Recht. «Man trifft im Leben», sagt Hans Neuenfels, «wenn man Glück hat, einige Lebende, die das Leben lebenswert machen. Doch glaube ich, die Zahl der Toten ist ungleich größer.» Zu diesen beneidenswert vitalen Toten gehören für Neuenfels all jene Komponisten, deren Musik ihn umtreibt. Und um diese Musik zu verstehen, trifft er sich gern mit...
Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...
