Erkenntnis durch Gegenüberstellung
Zum Doppeljubiläum Wagner/ Verdi hatte die Hochschule für Musik und Tanz in Köln eine Ringvorlesung angesetzt, die den Untertitel «Kulturen der Oper» trug. Die Idee mag auf den ersten Blick wenig spektakulär sein, zeigt sich aber bei näherer Betrachtung als überaus anspruchsvoll.
Die zwölf daraus hervorgegangenen, vom Initiator Arnold Jacobshagen jetzt in Buchform herausgegebenen Aufsätze stecken ein breites Spektrum ab, das das Verhältnis Verdis und Wagners zur Politik (Michael Walter), zur Literatur (Albert Gier), aber auch zu den Musikzentren der Zeit und dominierenden ästhetischen Paradigmata einschließt (Jean-François Candoni), außerdem kompositorische (Johannes Schild u. a.) und rezeptionsgeschichtliche Aspekte (Arnold Jacobshagen u. a.) sowie Fragen der Interpretation.
Grundlegend war die Idee des Doppelporträts, so dass in allen Aufsätzen beide Komponisten behandelt werden. Dies geschieht meist additiv, nur selten wird die Denkfigur des Doppelporträts auch wirklich als heuristisches Instrument verstanden. Das geschieht etwa, wenn Thomas Seedorf sich mit stimmlichen Heroisierungstendenzen im 19. Jahrhundert auseinandersetzt und ein Doppelporträt eigener Art zeichnet: Was für ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Stephan Mösch
Es ist eine seit Jahrzehnten, erst auf Langspielplatte, dann auf CD vertriebene Referenzaufnahme: «Tannhäuser» wurde 1962 bei den Bayreuther Festspielen unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch mitgeschnitten, Wolfgang Windgassen sang die Titelpartie, Anja Silja die Elisabeth, Grace Bumbry war die berühmte «Schwarze Venus», Eberhard Wächter der Wolfram. Die...
Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...
Manche Bühnenwerke treffen den Geist unserer Zeit, ohne sich mit dem Zeitgeist gemein zu machen. So betrachtet, erscheint Modest Mussorgskys Geschichtspanorama «Chowanschtschina» als die Oper der Stunde. Schon vor über hundert Jahren nämlich zeigte dieses gewaltige Fragment politische Entwicklungen auf, die sich im Russland von heute nahtlos fortsetzen und die Welt...
