Entdeckerfreuden
Es wird wohl das Spielzeit-Motto gewesen sein, das die Leitung des Trierer Theaters dazu bewegte, die deutsche Erstaufführung der Philip Glass-Oper «The Voyage» an Land zu ziehen. «welt.eroberung» lautete das Leitmotiv der zu Ende gehenden Saison an der Mosel, und dazu schien die Glass-Menagerie aus gestrandeten Astronauten, zweifelnden Wissenschaftlern und dem berühmtesten aller Entdecker, Christoph Columbus, genau die richtige Begleitmusik zu liefern.
Die Rechnung geht anfangs durchaus auf: Die Regisseurin und gelernte Choreografin Birgit Scherzer füllt die Lücken im Handlungsgerüst mit bildmächtigen Ballett- und Chorszenen und haucht so den vier miteinander verwobenen Entdecker-Geschichten das nötige Bühnen-Leben ein. Im Prolog schwebt ein Wissenschaftler im Rollstuhl hoch über der Bühne und formuliert den ewigen Widerspruch zwischen dem Bedürfnis des Menschen, neue Horizonte zu erforschen, und den damit verbundenen Gefahren und Risiken – derweil im Hintergrund die Ursuppe in Gestalt des agilen Chors brodelt.
Im ersten Akt entwickelt der Abend bemerkenswerte Faszination. Die Bruchlandung eines Raumschiffs auf der Erde, die Begegnung der Astronauten (Evelyn Czesla, Svetislav ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Dieter Lintz
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre. Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische,...
Lieber Aribert Reimann,
sehr verehrte Damen und Herren,
der Zufall kann ein kluger Gefährte sein. Je näher der Termin der heutigen Laudatio rückte, desto häufiger beschlich mich ein Wort aus Bachs «Johannes-Passion». Es findet sich zu Beginn eines kontemplativen Bass-Ariosos und klingt fast wie Mörike: «Betrachte, meine Seel’, mit ängstlichem Vergnügen». Vergnügen...
Der Kalauer scheint unvermeidlich: Der Mann ärgert sich schwarz. Aber er würde, auch wenn die Aussage im Kern sogar ihr Richtiges hat, auf eine falsche Fährte führen und Eva-Maria Höckmayrs Freiburger «Otello»-Inszenierung banalisieren. Die reicht tiefer. Richtig ist, dass Otello, dem Luis Chapa mächtige tenorale Statur von hoher Durchschlagskraft verleiht, die...
