Ende einer Liebe
Quadratisch, praktisch, gut: Für Gounods «Romeo und Julia», das in Schwerin erstmals zu sehen war, benützt Bühnenbildner Robert Pflanz unterschiedlich hohe Quader. Sie lassen sich für jede Szene schnell neu arrangieren und wirken doch nie banal. Gemäßigt abstrakt bringt Regisseur Arturo Gama das Werk auf die Bühne, und das tut der Oper gut. Denn wenn schon über der Shakespeare’schen Vorlage das Damoklesschwert des Kitsches schwebt, so ist das in der noch viel emotionaleren Musiktheaterversion erst recht der Fall.
Dieser Gefahr entgeht Gama, indem er sich einer allzu realistischen Bebilderung verweigert. Horizontale, gegeneinander verdrehbare Leinwände schweben über der Szene. Sie verändern ihre Konstellation entsprechend dem Arrangement der Quader, illustrieren Seelenzustände und sehen zudem gut aus. Die farbenprächtigen Kostüme von Bettina Lauer übertreiben es nicht mit der historischen Korrektheit, sie orientieren sich an Schnitten der Renaissance, aber nur in reduzierter Form.
Romeo und Julia sind die Einzigen, deren Kostüme nicht mit Ornamenten bedruckt sind. Denn sie machen sich von Konventionen frei. Leider macht sich ausgerechnet Stefan Heibach auch davon frei, die Rolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die alte Dame sitzt mit größter Disziplin in ihrer Loge. Fast jeden Abend. Rosenwangig, mit großen Augen und alterslosem Kindergesicht verfolgt sie, was sich unter ihrer Schirmherrschaft an neuen Stimmen unten auf dem Podium tummelt. Sogar bei der ersten Runde, als aus fast zweihundert Kandidaten per DVD ausgewählt wurde, wer überhaupt zu Brüssels großem...
Diese Inszenierung ist ein Paradoxon: Sie aktualisiert, und zwar nachdrücklich – doch nicht, um die Handlung uns Zeitgenossen näher zu bringen und dadurch fasslicher zu machen. Ganz im Gegenteil: Es ist die erklärte Absicht des Regisseurs Dmitri Tcherniakov, die Titelfigur fremd, ihr Handeln unbegreiflich erscheinen zu lassen. Bei Schostakowitsch ist diese...
Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer...
