Ende einer Ära
Wie kein anderer Dirigent hat James Levine über Jahrzehnte das New Yorker Opernleben geprägt. Eine ganze Zuschauergeneration ist mit seiner künstlerischen Vision der Metropolitan Opera – für viele ein Synonym für Oper schlechthin – aufgewachsen. Als das Haus Mitte April bekannt gab, Levine werde zum Ende der Spielzeit als Musikchef zurücktreten, war zwar kaum ein Beobachter überrascht – gesundheitliche Probleme hatten den Dirigenten wiederholt gezwungen, Vorstellungen oder ganze Aufführungsserien abzusagen.
Nun aber hat man in New York das sichere Gefühl, dass mit dem Rücktritt wirklich eine Ära zu Ende geht.
Dabei war Levine alles andere als ein despotischer Autokrat, der neben sich keine anderen Götter geduldet hätte. Unter seiner Ägide feierte mancher Gastdirigent Erfolge an der Met, und in den letzten 15 Jahren nahmen ihm sowohl Fabio Luisi als auch Valery Gergiev viele Verpflichtungen ab. Yannick Nézet-Séguin, Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, verbrachte in den vergangenen Spielzeiten so viel Zeit mit dem Met-Orchester, dass er als möglicher Nachfolger Levines gehandelt wird.
Seit Levine 1972 mit gerade mal 29 Jahren zum Chefdirigenten des Hauses ernannt wurde, hat er ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Allan Kozinn
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