Eine Ära

Lübeck | Strauss: Elektra

Opernwelt - Logo

Ein Psychodrama von großer Brisanz, ausgefochten von drei hochkarätigen Protagonistinnen – so bietet sich die neue Lübecker «Elektra» dar. Der Ort: ein Kellerraum im Hause Agamemnon, unwirtlich, karg möbliert (Ausstattung: Hartmut Schörghofer). Hierhin hat sich Elektra zurückgezogen und die Tür vermauert, für Chrysothemis und Klytämnestra erreichbar nur durch eine riskante Kletterpartie, herunter von der Oberbühne. Als endlich aber Orest, der ersehnte Bruder, erscheint, fällt die Kellermauer unter den Beilschlägen Elektras und erlaubt den Weg ins Freie.

Regisseur Reto Nickler hat das alles minutiös arrangiert als psychologisches Kammerspiel, als einen Tanz auf Nervendrahtseilen, packend bis zur letzten Sekunde.

Ann-Marie Backlund ist eine Elektra, die von innen glüht. Sie braucht eine gewisse Zeit, bis sie ganz aus sich herausgeht. Dann aber ist ihre Intensität überwältigend. Ob im Dramatischen, wie in der Auseinandersetzung mit Klytämnestra, ob bei den innigen, lyrischen Melodiebögen der Wiedererkennensszene oder schließlich in der finalen Ekstase, die hier ohne den mänadenhaften Tanz auskommt, ganz aus der körperlichen und seelischen Erstarrtheit heraus die «Last des Glückes» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Schule des Hörens

Drei Jahrhunderte überspannt diese Anthologie von Schubert-Liedern – die erste Aufnahme, das «Ave Maria» mit der ansonsten nicht bekannten Edith Clegg, entstand 1898, die letzte, «Du liebst mich nicht» mit Kate Royal, 2010. Insgesamt versammelt die voluminöse Kassette, einschließlich der drei Zyklen, 440 Aufnahmen von fast hundert Sängerinnen und Sängern. Als diese...

Schönheitssucher, Künstlerfürst, Veränderer

Biografisch-kalendarische Parallelen verweisen manchmal – über den puren Zufall hinaus – auf fundamentale Analogien oder Gegensätze. Wenn nun der hundertste Geburtstag von John Cage und der Tod von Hans Werner Henze so nahe beieinander liegen, so lässt dies über etwaige Zusammenhänge reflektieren. Wobei evident scheint, dass beide Komponisten so epochale wie polare...

«Klagen ist sinnlos, aber kämpfen ist sinnvoll»

Am 6. Juli 2013 jährt sich zum vierzigsten Mal der Todestag Otto Klemperers. EMI Classics greift aus diesem Anlass tief in ihre Archivbestände und legt die diskografische Hinterlassenschaft des Dirigenten, der als strenger Sachwalter des klassisch-romantischen Repertoires Interpretationsgeschichte geschrieben hat, in einer voluminösen, auf 78 CDs berechneten...