Ein Wurf
Gounods Goethe-Erfolg, eine der (gar nicht so) geheimen Lieblingsopern Thomas Manns, kann auch im 21. Jahrhundert noch auf Interesse und Bewunderung stoßen. Die Chor-, insbesondere die Kriegsszenen sind nicht allzu weit von Verdi’schem Schwung entfernt, und den Intimitäten des im Mittelpunkt stehenden vokalen Trio infernale sind bedeutende Schön- und Apartheiten gewidmet. Die teutonischen Goethe-Fetischisten, denen der Ausweichtitel «Margarete» für den hiesigen Gebrauch geschuldet war, sind als ideologische Gralshüter des Nationalstoffs ohnedies in die Gräber der Geschichte gesunken.
Bei der Mainzer Produktion heißt das Stück denn auch «Faust».
Gesungen wird, das ist ja längst Standard, im originalen Französisch (wobei man sich amüsieren darf über dessen Differenz zu der kess eingedeutschten Übertitelung). Für Mainz recycelte Elisabeth Stöppler eine Inszenierung, die vor fünf Jahren am Oldenburger Staatstheater ein bemerkenswertes Echo fand. Die aktuell tätigen Ausstatter, Natalia Krautkrämer (Bühne) und Susanne Maier-Staufen (Kostüme), hatten also nur den Ruhm der Zweiterfüller von Konzepten, die ursprünglich von Rebecca Ringst (Bühne) und Ingo Krügler (Kostüme) stammten. Die in ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sternstunden modernen Bauens bieten sich in Tschechien eher selten. Immerhin lässt sich die «hybride» Gestalt des Antonín Dvorák Theaters in der ostmährischen Industriestadt Ostrava goutieren: Das sanft-unaufdringlich vom stalinistischen Klassizismus markierte Hauptgebäude streckt seine Schaufront der Stadt zu, während die neuen Anbauten sich bescheiden rückwärts...
Mit der «Entführung aus dem Serail» beendet René Jacobs seinen vor 16 Jahren begonnenen Zyklus der Studioproduktionen von Mozarts großen Opern. Er präsentiert das Stück so, wie Mozart es konzipiert hat – als Singspiel mit den ungekürzten, wo nötig allerdings zeitgemäß veränderten Dialogen. Das ist freilich nicht so sensationell neu, wie er wohl glaubt....
Frau Rae, Frankfurt war Ihr Erstengagement, seitdem sind Sie dort. Hatten Sie das so geplant?
Ich dachte erst, ich bleibe nur zwei oder drei Jahre. Intendant Bernd Loebe und ich sprechen jedes Jahr miteinander, um zu entscheiden, welche Partien richtig und wichtig für mich sind. Und so ging es immer weiter. Es ist gut, ein solches Zuhause zu haben. Wenn man nur...
