Ein Leben unter der Perücke
Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und Lebensumstände Georg Friedrich Händels mit dem Blick des 21.
Jahrhunderts betrachtet, stellt sich vor allem eine Frage: War der Mann am Ende schwul?
In seiner neuen Biografie hat sich Franzpeter Messmer dieser Frage gestellt, und prompt taucht sie wie ein roter Faden in allen Lebensetappen des Komponisten auf. War es wirklich nur eine Hakelei über musikalische Zuständigkeiten, die zum Zweikampf des 19-jährigen Händel mit seinem Busenfreund Johann Mattheson führte? Hatte der homosexuelle Medici-Prinz Gian Gastone, der Händel bald darauf anbot, in seinem Gefolge nach Italien zu reisen, rein künstlerische Interessen? Hatte der Papstneffe Benedetto Pamphili, der Händel in einer Ode feierte und mit der Vertonung seines Oratoriums «Il trionfo del tempo e del disinganno» beauftragte, wirklich keinen Grund, sich etwas von dem jungen, nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Wagnis einer abenteuerlichen Zeitreise in die Vergangenheit stand auf dem Programm der 32. Karlsruher Händel-Festspiele: die historisch genaue Bühnenumsetzung von Händels Oper «Radamisto» 289 Jahre nach ihrer ersten Aufführung im Londoner King’s Theatre 1720. Wie es geklungen hat, glauben wir nach fünfzig Jahren Umgang mit der historisch informierten...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
