Ein Himmel voller Leichen
Gut möglich, dass John F. Coetzee, der südafrikanische Nobelpreisträger, Becketts «Warten auf Godot» im Hintersinn hatte, als er im Jahr 1980 seinen Roman «Waiting for the Barbarians» schrieb. Hier wie dort warten Menschen darauf, dass jemand auf der Bildfläche erscheint. Und in beiden Fällen entpuppt sich das Warten als wesentliche Handlung; diejenigen, respektive derjenige (wie im Fall Godot), auf die oder den man wartete, tauchen bis zum Ende nicht auf, bleiben Phantome, Wunsch- oder besser: Schreckensvorstellung.
So weit die Parallelen.
Der Rest ist mehr als ein feiner Unterschied. Coetzees Roman nämlich beschreibt das Wesen eines barbarischen Regimes. Als deutscher Leser ist man geneigt, sich – nicht zuletzt wegen der Verwendung des Wortes «Reich» – an die Nazizeit erinnert zu fühlen. Coetzee definiert nicht, welches Land er meint; er meint die Schreckensherrschaft im Allgemeinen, ohne das Besondere (Südafrikas Apartheidspolitik) gänzlich aus den Augen zu verlieren. Kurzum: «Waiting for the Barbarians» ist eine Parabel, ja, ist, mehr noch, eine Metapher, deren Grundlage politische Realitäten ist. Taugt der Roman als Vorlage für eine Oper?
Philip Glass und sein Librettist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Ende singen sie doch noch. Geradezu erlösend wirkt der vokale Glücksmoment, den Isabel Mundry in ihrer «Odyssee» dem Helden und seiner Gattin Penelope vergönnt: Eine späte zwischenmenschliche Tonwerdung, an der auch die Vergänglichkeit dieser Begegnung nichts ändern kann. Denn obwohl Odysseus anschließend weiterziehen muss, hat er durch die Überwindung der...
Das von Carl Ferdinand Langhans entworfene, 1841 eröffnete Opernhaus der schlesischen Metropole wurde nach mehr als achtjähriger Um- und Ausbaupause mit einer Neuinszenierung der polnischen Nationaloper «Halka» wiedereröffnet. Zum Neuanfang präsentierte sich die Breslauer Oper im geschmackvoll wiederhergestellten Glanz ihrer Entstehungszeit. Obwohl die neue...
Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...
