Ein Elend
Die im April 2013 eröffnete Spielstätte für Oper, Operette, Ballett und Musical in Linz ist Österreichs modernster und universellster Musiktheaterbau. Er bietet attraktiven Raum vor allem für große Werke. Dieser Zug zum Großen: Er ist auch den Intentionen des derzeitigen Intendanten Hermann Schneider und seines Chefdirigenten Markus Poschner nicht abzusprechen.
Wagner und Strauss sind zentrale Referenzpunkte, Peter Konwitschnys Bonner «Penthesilea» von Othmar Schoeck machte Eindruck und mit der Aufführung von Paul Hindemiths Kepler-Oper «Harmonie der Welt» gelang sogar eine «Wiederentdeckung des Jahres» (OW-Jahrbuch «Oper 2017»).
Also wäre hier auch der richtige Platz für die französische Grand Opéra. Giacomo Meyerbeers «Prophète» passte perfekt in die Dimensionen des Hauses, wenn, ja wenn … Wenn man doch nur mehr gewollt hätte als eine eigenartig abgestandene, im szenischen Arrangement wie in der Figurenführung konfuse bis hilflose Regieästhetik, die die im Grunde einfache Geschichte von der Verführbarkeit eines Provinzgastwirts (Jean de Leyde) und der Verführung der Massen, die Propheten macht und auch wieder fallen lässt, interpretieren, nicht nur mehr schlecht als recht ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Karl Harb
Die Tonart verheißt nichts Gutes. As-Moll, das erinnert weniger an Frühsommerduft als vielmehr an Trübsal, Tristesse und Tragik. Eben die herrscht nun hörbar auch im karg möblierten Schlafzimmer des Kollegienassessors Kowaljow: Schluchzende Glissandi der Posaunen, Violinen, Oboen und Klarinetten dominieren dieses Adagio, ja selbst die Harfe seufzt, und das ist ja...
Wieso steht im Bauhaus-Jubiläumsjahr Paul Hindemiths «Cardillac» eigentlich nicht viel öfter auf den Spielplänen? Lediglich in Antwerpen gab es eine Neuproduktion. In Deutschland hat sich nur das Theater Hagen daran erinnert, dass die Uraufführung 1926 in die Blütezeit des Bauhauses fiel, als der Komponist enge Beziehungen zu der Bewegung pflegte. Tatsächlich ist...
Assoziativ verbindet man mit dem Vornamen Karl zunächst einmal Großes. Doch auch das Widerspiel ist möglich. Etwa beim von Helmut Qualtinger so grandios gezeichneten Präzedenzfall aller Opportunisten, dem Herrn Karl, einem begnadeten Teilhabeverweigerer, der sich stets, wenn er Unglücks ansichtig wird (und sehr aktuell), mit «Karl, du bist es nicht …» aus der...
