Ein Bett im Sternfeld
Zwischen den Laken tummeln sich die Marschallin und ihr junger Geliebter Octavian. Unterm Nachthimmel, im Liebesglück. Dann bricht die Außenwelt in ihre Zweisamkeit ein, fliegen Wände und Decke eines prachtvollen Salons heran. Die Vision der freien Liebe ist vorbei, die beiden erwachen im goldenen Käfig.
Mathis Neidhardts Bühnenbild ist das zentrale Element in Jens-Daniel Herzogs Inszenierung des «Rosenkavalier».
Die Welt gerät aus den Fugen, im zweiten Akt ist das Zimmer schon wieder gekippt, im dritten zerstört, eine Ruine, in der die Demütigung des alten Lüstlings Ochs von Lerchenau stattfindet. Das berühmte Terzett singen Marschallin, Octavian und Sophie quasi konzertant, direkt ins Publikum. Am Ende steht da wieder das Bett unter den Sternen. Nur liegen jetzt Octavian und Sophie darin, die Marschallin schaut aus der Ferne zu. Durch ihren Verzicht hat sie eine neue Vision der Liebe ermöglicht.
Jens-Daniel Herzog folgt mit feiner Personenführung den seelischen Entwicklungen der Figuren, erzählt jederzeit schlüssig und kurzweilig, fast wie im Schauspiel. «Komödie für Musik» haben Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ihr Stück ja auch genannt – Herzog wird dem gerecht, mit ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Stefan Keim
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