Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit jenem musikantischen Esprit verknüpft, für den «Il Prete Rosso» noch heute zu Recht gerühmt wird.
Zumal in einer Interpretation, die jedes affirmative Pathos vermeidet, stattdessen auf brizzelnde Sprachmelodik und bewegten Rhythmus setzt: Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Diego Fasolis und sein Ensemble I Barocchisti gebieten über eine gut ausbalancierte, deklamatorisch dichte, atmende Tongebung. In den schnellen Sätzen des «Gloria» lässt diese Funken sprühen, in einem elegischen Stück wie «Et in terra pax» mit seinen absteigenden Arpeggien, schattiert sie geschmeidig und im steten Puls die verschiedenen Stimmen, bringt Akzente wohldosiert zum Einsatz. Im Einklang mit den Chromatismen des Chorsatzes (der Chor des Schweizer Rundfunks besticht durch präzise Artikulation und hohe Phrasierungskunst) entsteht eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Jürgen Otten
Alexander Raskatov
Mit seiner 2010 in Amsterdam uraufgeführten Bulgakow-Oper «A Dog’s Heart» erregte er Aufsehen (OW 8/2010). Die Opéra de Lyon bringt nun sein neues Bühnenwerk heraus: «Germania» nach Heiner Müller
Gaspare Spontini
Sein größter Erfolg zu Lebzeiten war die in Paris uraufgeführte Tragédie lyrique «La Vestale» (1807). In Berlin feierte man den...
Gerade 40 Jahre sind es her, dass Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt am Opernhaus Zürich ihren Monteverdi-Zyklus zeigten und die drei überlieferten Opern endgültig für das Repertoire zurückgewannen – opulente Inszenierungen der Sinnenfreude, bei denen die barocke Schaulust allerdings oft nicht von der schicken Schaufensterdekoration zu unterscheiden war....
Mancher Mann wäre wohl gerne jener Luftstrom aus einem New Yorker Subway-Schacht Ecke Lexington Avenue und East 52nd Street, der die Schenkel der hinreißenden Platin-Blondine umkost und das weiße Kleid sich aufreizend bauschen lässt – überschäumenden élan vital und erotisches Versprechen suggerierend. Das Foto, als Wand- und Spind-Schmuck weltweit geliebt wie in...
