Editorial Mai 2018
Schauplatz der Irritationen: die Oper Köln. Wieder einmal. Zwei Tage vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe schlagzeilte der «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Ende der Harmonie – Zerwürfnis zwischen Intendantin Birgit Meyer und Generalmusikdirektor François-Xavier Roth». Roth habe, berichtet das Blatt, im Zuge der Verhandlungen um eine Verlängerung seines im Sommer 2020 auslaufenden Vertrags, «die baldige Ablösung der Opernintendantin» zur Bedingung für seine Weiterarbeit in Köln gemacht.
Schon schießen Spekulationen ins Kraut, der 2015 als Nachfolger von Markus Stenz zum Chef des Gürzenich-Orchesters gekürte Dirigent wolle die Oper künftig selbst übernehmen. Was immer an diesen Gerüchten dran ist – wir schauen uns lieber die Realität an.
François-Xavier Roth ist fraglos einer der besten, vielseitigsten und interessantesten Dirigenten unserer Zeit. Und es war ein Glücksfall für die Stadt, dass der charismatische Franzose nach der skandalösen Abwicklung des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, dem er als letzter künstlerischer Leiter verbunden war, Kapazitäten frei hatte. Unter den Kölner Musikern genießt Roth einen exzellenten Ruf, die exzeptionelle Klangqualität der von ihm ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Welcher Intendant würde nicht gerne über die Gabe der Bilokation verfügen? Vorbildlich darin ist Serge Dorny. Omnipräsent und in bester Laune jagt er durch sein gläsern-schwarzes Opernhaus, von Talk zu Talk, von Interview zu Interview. Die Pressekonferenz in München, die sein Engagement ab 2021 bekannt gab, ist erst wenige Tage her. Fast könnte man über all dem...
Gott ist abwesend, der Kampf ums Überleben diktiert den Stückverlauf. Die (Todes-)Angst vor Aids und das heikle Coming-out, auch innerhalb der Familien, heizen ihn an. Aus dem Alltag erwächst die Vision, am Ende fantasiert sich Prior Walter (er ist nicht Prior, er heißt so) einen Engel herbei, der seinerseits auf Prophetensuche ist. Doch Prior lehnt den Job ab. Er...
Es lebt sich anscheinend nicht allzu unangenehm auf einer verlassenen Insel. Gut, einige Büschel getrockneter Gräser und etwas Tigerfell sind den Damen nach 13 einsamen Jahren über die Roben gewachsen. Aber das Unzivilisierte bleibt noch immer zivilisiert, ebenso wie sich Felsen und Wälder in geordneten Bahnen zur klassischen Gassenbühne staffeln. Wir sind...
