Editorial
Dieses Heft berichtet, unter anderem, vom Spielzeitauftakt zwischen Berlin, London und New York. Und es schließt – das freut uns, war aber nicht vorherzusehen – an viele Aspekte an, die im Jahrbuch «Oper 2011» dominierten. Zunächst setzt sich einfach eine Tendenz fort: Köln und Frankfurt, derzeit die mutigsten und ideenreichsten Opernhäuser in Deutschland, wagen sich mit komplizierten Raritäten (Halevy und Prokofjew) in die Saison – und ernten Ovationen.
Wobei es kein Zufall ist, dass Johannes Martin Kränzle, der «Sänger des Jahres», in Köln mitwirkt und in Frankfurt engagiert ist.
Dann gibt es Querverbindungen, die weniger offenliegen. Benedikt von Peter hat in Hannover «La traviata» radikal auf die Titelfigur zugeschnitten und alles außer Violetta ins optische Off verbannt. Das wurde viel gefeiert (und wird es auch in diesem Heft). Neu ist es allerdings nicht. Denn die letzte wichtige «Traviata» zielte in dieselbe Richtung.
Allerdings nahm Peter Konwitschny in Graz Striche in Kauf (siehe OW 3/2011), worauf Benedikt von Peter verzichtet. Wie auch immer die Ergebnisse ausgefallen sind: Es liegt nahe, einen produktiven Ideentransfer zwischen den Generationen der Regisseure ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: , Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des...
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...
Ist das eine neue Lebensphase: Michael Volle als Heldenbariton?
Vor einiger Zeit habe ich zu meiner Managerin gesagt: Ich will, bevor ich aufhöre, in ferner, ferner Zukunft also, auch noch einmal einen Papageno singen. Ich möchte mich also nicht von irgendwelchen Fächern verabschieden.
Kann man den Wotan erst ab einem bestimmten Alter singen?
Die Partie erfordert...
