Editorial
Wenn es um der Menschheit liebste runde Sache geht, stürmt Plácido Domingo meist in der ersten Angriffsreihe. Ehedem lieferten ihm José Carreras und Luciano Pavarotti dabei vokale Steilvorlagen, doch notfalls schaukelt er das Ding auch als einzige Spitze. Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 9.
Juni gibt Domingo im alten Münchner Olympiastadion einmal mehr den Spielmacher – als Star einer musikalischen Schaupartie, zu der alle drei philharmonischen Spitzenteams der bayerischen Metropole samt ihrer Cheftrainer Zubin Mehta, Christian Thielemann und Mariss Jansons verpflichtet wurden. Eine «symphonische Reise durch Klang, Raum und Licht» ist annonciert, «mit weltbekannten Hits aus Klassik und Pop». Mehr als vierhundert Musiker und Choristen werden dem Tenorissimo und bekennenden Fußball-Pilger assistieren. Die Deutsche Nationalmannschaft, trotz ihrer über Fankurven-Niveau nie hinausgekommenen Stimmkünste von der Plattenindustrie immer wieder ins Studio gebeten («Fußball ist unser Leben» 1974, «Far Away in America» 1994), ist dem Vernehmen nach in München nicht dabei.
Auch bei seinem mit Rücksicht auf den FIFA-Spielplan terminierten Freiluft-Auftritt in der ...
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Frau Gallardo-Domas, Sie haben Ihr Debüt 1990 als Butterfly in Santiago de Chile gegeben. Butterfly gilt als «Killerpartie»: das Gegenteil einer klassischen Anfängerinnenrolle. Haben Sie einmal gedacht, dass Sie Ihre Karriere vielleicht nicht unbedingt mit einem so schweren Kaliber hätten beginnen sollen?
Damals habe ich nicht wirklich gedacht. Es ist einfach so...
Selten war der große Ozean zwischen der Alten und der Neuen Welt so trennend und zugleich verbindend. Schon beim Lauschen der ersten Takte des dschungelartig verwobenen Klangfarbengeflechts von Daniel Catáns «Florencia en el Amazonas» spürt man diese Ambivalenz einer Musik, die man als radikal reaktionär begreifen könnte, aber auch als anderen Weg, zurück zu einer...
Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von...
