Edita Gruberova

«Das Konzentrieren auf die Technik ist fast zur Nebensache geworden»: Seit über vier Jahrzehnten steht Edita Gruberova auf der Bühne. In München hat die 64-Jährige ihre letzten «Traviata»-Vorstellungen gegeben. Aber ans Aufhören denkt sie noch nicht – im Gegenteil: Gerade hat sie in Wien wieder «Lucrezia Borgia» und in Barcelona «Anna Bolena» gesungen, demnächst stehen «Norma» und «Roberto Devereux» im Terminkalender, 2012 wagt sie in Bellinis «La straniera» sogar ein weiteres Rollendebüt. Markus Thiel hat die Sängerin während der letzten Wochen für «Opernwelt» beobachtet und gesprochen.

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Ein paar Tage vor dem Probenbeginn in München war sie spazieren. Unweit von Zürich, in der Nähe ihres Hauses, wo sie noch einmal den Kopf freibekommen wollte für die nächsten Wochen. Da durchfuhr sie ein merkwürdiges, ein überraschendes Gefühl: «Was ist denn das?», habe sie sich gedacht. «Auf einmal freue ich mich richtig auf die ‹Traviata›.» Und irgendwie, so erinnert sich Edita Gruberova, sei in diesem Moment alles von ihr abgefallen. Der Druck, unter den sie sich wie immer selbst gesetzt hatte.

Vor allem aber das Unbehagen: Ob sie mit der Violetta, jener Partie, die sie am 14. Dezember 1968 im slowakischen Banská Bystrica erstmals verkörpert hat, ob sie mit dieser lange nicht gesungenen Rolle immer noch genauso viel erreichen können würde wie mit ihren Belcanto-Heldinnen? Denn nicht wie vor dem Mount Everest habe sie sich ein paar Wochen zuvor gefühlt – «wohl aber wie vor einem Sechstausender».

Ein letztes Mal wollte Edita Gruberova sich die Violetta vornehmen. Und was die Fans
naturgemäß in den Ausnahmezustand trieb, schmeckte auch etwas nach Abschied. Gruberova, die letzte große Assoluta unserer Zeit, nun also auf der letzten Runde ihrer über 40-jährigen Karriere? Ihr ...

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Opernwelt März 2011
Rubrik: Auszug, Seite 73
von Markus Thiel

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