Domingos Triumph
Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
Passagen, die in der Erinnerung haften: Cyranos einsilbige Antworten – zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankend – auf die verkappte Liebeserklärung Roxanes, die schließlich doch nicht ihm gilt; Cyranos pathosgeladene Liebeserklärung an Roxane, die er in der Dämmerung als Sprachrohr des schönen Blödians Christian ablegt; die melancholische Hirtenweise, mittels derer Cyrano seinen Kampfgenossen durch Heimweh den Hunger zu vertreiben sucht. Diese Gelegenheiten nimmt Domingo mit tiefster Anteilnahme und kunstvoll eingesetzten, nach wie vor kraftvollen und farbigen Stimmmitteln wahr.
Alles in allem hat die Partitur indes den Anstrich einer gewissen Verlegenheit. In den mittleren dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts konnte oder wollte ein so geschulter und raffinierter Komponist, wie Alfano es war, in der weit ausholenden, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem...
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat....
Zur Lady Macbeth hat ihn Bergs «Wozzeck» gebracht: Ein Satz, der auf den Komponisten Schostakowitsch ebenso zutrifft wie auf den Regie führenden Wiesbadener Intendanten Manfred Beilharz. Kaum zu glauben: Diese Produktion der «Lady» ist die erste eigene im Hessischen Staatstheater, wo das Werk erst einmal in einem Gastspiel zu erleben war. Eine Spiegelung des...
