Diskurstheater
Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung tief in den Pyrenäen. Die Sonne geht unter. Die Dunkelheit legt sich langsam über die Wälder.
» Warum selbst neu erfinden, was die Meister vor ihm letztgültig imaginativ ersonnen haben?
Nach seiner Intendantenära an der Hamburgischen Staatsoper, während der er sich die eigene künstlerische Präsenz konsequent klug versagte, ist Ruzicka nun als dirigierender Komponist an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und er verbeugt sich dabei vor den Vätern – deutlicher, avantgardeabstinenter denn je zuvor. Wir vernehmen Anklänge aus «Salome» von Richard Strauss, Orffs «Carmina Burana», «Turandot» von Puccini sowie, ganz unverschleiert und in der Partitur explizit gekennzeichnet, Henri Duparcs Lied «l’invitation au voyage». Angst vor dem Gespenst des Eklektizismus hat Ruzicka ebensowenig wie Skrupel, als Intellektueller ein ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
JUBILARE
Mario Venzago wurde in Zürich geboren. Schon als Fünfjähriger erhielt er Klavierunterricht und studierte später an der Universität und Musikhochschule seiner Heimatstadt, wo er Dirigierschüler von Erich Schmid war, dem Vorgänger Simon Rattles als Chefdirigent in Birmingham. Venzagos berufliche Laufbahn begann als Konzertpianist, es folgte ein festes...
Wer hat Lenski auf dem Gewissen? Eigentlich eine Frage, die man gar nicht stellen muss. Sowohl aus der Puschkin-Vorlage als auch aus Tschaikowskys Oper geht schließlich klar hervor, dass Onegin ihn getötet hat. Warum aber fordert Lenski seinen besten Freund überhaupt zum Duell? Sicher nicht, weil er ernsthaft befürchtet, Onegin könnte ihm die Verlobte ausspannen....
Das Lamento ist beinahe so alt wie die Kunstform selbst. Die Oper, heißt es, sei auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Verstaubt, verzopft, verkrustet, zu sehr dem Kanon weniger Werke verhaftet. Diese Diagnose stellt neuerlich auch der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel in dem gemeinsam mit David Roesner herausgegebenen Buch «Gegenwart und Zukunft des...
