Die Regeln des Spielmanns
Das Etikett des Wagner-Epigonen heftete ihm bereits die zeitgenössische Kritik ans Revers. Und ganz unlieb war Max von Schillings (1868-1933) diese Bezeichnung wohl nicht, verstand er sich selbst doch als ernsthaften Nachahmer – wenn nicht Nachfolger – des Bayreuther Hügelherrn. In seiner zweiten, 1899 uraufgeführten Oper «Der Pfeifertag», einem «Spielmannsscherz in drei Aufzügen» (und mit etlichen Längen), ist von Wagner jedoch nicht allzu viel zu spüren.
Schillings verwendet zwar Leitmotive, allerdings in sehr reduzierter Form, zuweilen sind es nur ein paar wiederkehrende Takte, die eher auf die Erzeugung von Stimmungen denn auf die Charakterisierung oder Wiedererkennbarkeit von Figuren abheben. Ein wirklicher Personalstil ist dem «Pfeifertag» nicht abzulauschen, große, teils zähflüssige Symphonik wechselt mit schönen, spätromantisch angelegten Kantilenen. Durchaus effektvoll ist der Einsatz der heute fast nie mehr zu hörenden Violotta, einer Tenor-Geige, die optisch einem kleinen Cello ähnelt.
Inhaltlich orientiert sich die Oper an den «Meistersingern», inklusive der szenisch-musikalischen Sängerschlacht auf einer festlichen Wiese. Im Zentrum steht Ruhmland, der vom reichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach dem großen Erfolg der Uraufführung von Axel Nowitz’ «Bestmannoper» (siehe OW 6/2006) machte das Theater Osnabrück mit Janáceks «Jenufa» ein zweites Mal mit Nachdruck darauf aufmerksam, welcher Stellenwert dem Musiktheater an diesem Haus unter der neuen Intendanz zukommt. Gegeben wurde die von allen Retuschen späterer Bearbeiter befreite Brünner...
I. So einen Vogelmenschen haben sich Mozart und Schikaneder sicherlich auch in kühnen Träumen nicht vorgestellt. Papagenos Hut ist ein großer Adlerkopf mit Hakennase und glühend roten Augen. An den Seiten recken sich weiße Schwingen zum Himmel. Dieser Papageno tänzelt und turnt, als könne er jederzeit abheben vom schnöden Erdenboden und aufflattern zu den Vögeln....
Schon während der Ouvertüre läuft das Verbeugungsritual ab. Figaro und Susanna, Graf und Gräfin, Marcellina und Basilio nehmen ihre Solovorhänge entgegen, zeigen große Freude über die offenbar gelungene Aufführung. Doch schnell bröckelt die Fassade, Eitelkeiten und Intrigen brechen durch, schließlich prügeln sie sich wie die Kesselflicker. In dieser Truppe stimmt...
