Die leise Stärke
Ein Werk wächst. Wechselt Farbe, Form, Figur. Bleibt aber beständig, nur eben anders gefasst. In seinem wunderbar präzisen «Versuch über Musik und Sprache» hat der Philosoph Albrecht Wellmer den Gedanken einer während ihres Fortbestehens in der Welt sich stetig entwickelnden Partitur umschrieben. Diese, heißt es da, sei nicht schon das Werk, das in ihr gemeint ist. Auch die Aufführung könne nicht identisch mit dem Werk sein, «da sie ja nur eine von unzählig vielen anderen möglichen klanglichen Realisierungen einer Partitur, eben von Aufführungen des Werkes, darstellt».
Folglich, vermutet Wellmer, sei das Werk nirgendwo als solches greifbar; «es» existiere nur, als niemals definitiv Fertiges, Vollendetes, wie der imaginäre Fluchtpunkt eines potenziell unabschließbaren Verweisungsspiels zwischen dem Notentext und seinen Realisierungen.
Wie kaum ein zweites Musiktheater aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann Aribert Reimanns «Lear» unter diesem Blickwinkel betrachtet werden, zählt diese Oper doch zu jenen seltenen Werken, die nach ihrem ersten Erscheinen weiterhin enorme Beachtung gefunden haben. Von der Uraufführung 1978 in der Bayerischen Staatsoper, mit Dietrich ...
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Plötzlich ging es schnell. Keine Woche nachdem die Münchner Kulturpolitik (samt Machtkämpfen und einzelnen Produktionen der Staatsoper) in der Kritikerumfrage der «Opernwelt» als «Ärgernis des Jahres» gewertet wurde, traten Kunstminister Wolfgang Heubisch und Intendant Nikolaus Bachler vor die Presse. Bahnhof für den neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen...
Vatermord, Folter, Nekrophilie, Wahnsinn – Andrea Lorenzo Scartazzinis Oper «Wut» führt in eine düstere, hoffnungslose Welt. Das Stück des 1971 in Basel geborenen Schülers von Rudolf Kelterborn und Wolfgang Rihm wurde im September 2006 am Theater Erfurt uraufgeführt (siehe OW 11/2006). Nun stellte das Stadttheater Bern das Werk in der Schweiz vor. Zu Grunde liegt...
In keiner anderen Puccini-Oper ist Lokalkolorit so beherrschend wie in «Turandot». Denn das märchenhafte China bildet nicht nur die exotische Kulisse des Geschehens; unüberhörbare Anleihen aus Fernost finden sich auch in der Partitur. Kein Zufall also, dass «Turandot» traditionell ein beliebter Gegenstand von kostümseligen Monumentalaufführungen unter freiem Himmel...
