Design bestimmt das Bewusstsein
Grotesk, wie Intendant Alexander Pereira in seiner Loge ekstatisch mitdirigierte und stumm mitsang – den Mund weiter aufgesperrt als Tamino während der «Bildnis»-Arie. Lippen-Karaoke vom Chef indes konnte an diesem Abend nicht wettmachen, dass Martin Kusej an Mozarts komplizierten Einfachheiten viel anzumerken hatte. Und dass doch, wieder einmal, ein «Zauberflöten»-Wurf ausblieb.
Hundertfach ist die Mischung aus Freimaurer-Spuk und ägyptischem Souvenir, Aufklärungsdrang und musikalischem Ringelspiel beschworen und problematisiert worden.
Die Zeiten, in denen man wie Ingmar Bergman dem Märchenzauber noch trauen oder ihn wie Achim Freyer in eine Bastelwelt übersetzen konnte, sind dahin. Und kommen wohl auch nicht wieder. Dieselben Kritiker, die sich aus Anlass der Premiere in Zürich gerührt an die Geniestreiche von einst erinnerten, würden dergleichen heute konsequent verreißen.
Das bedeutet: «Die Zauberflöte», der notorische Kassenschlager, scheint in der Falle ihrer eigenen Rezeptionsgeschichte gefangen. Lebendig kommt man da kaum mehr heraus. So ließ selbst der Elan, mit dem sich Martin Kusej gegen gesammelte «Zauberflöten»-Klischees sperrte, im Zuge einer (mit drei Stunden zu) ...
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Eine Repertoire-Vorstellung. Dennoch lautstarker Beifall. Nun ist bei Hans-Jürgen Schöpflin von einer ganz und gar erfüllten Darstellung des Gustav Aschenbach zu sprechen. Sicher auch einer etwas untypischen, denn sein Aschenbach hadert nicht mit der Last des Alters, steht noch in besten Mannesjahren, was die «gesunde» Belcanto-Manier des Sängers unterstreicht....
Es gibt wohl keinen zweiten Komponisten der neueren Musikgeschichte, der so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wird wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die ambitionierten «Königskinder» konnten an diesen Erfolg auch nicht annähernd anknüpfen. Und dass Humperdinck daneben noch weitere Märchenstoffe wie...
Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» wollte in Dortmund nicht so recht die Flügel schlagen. Die «unglaubliche Geschichte» – so der Untertitel der Oper – fußt auf Alexander Puschkins gleichnamiger Verserzählung und ist, wie diese, Märchen und Groteske in einem. Ungleich schärfer noch als die Vorlage ist Rimskys Oper aber auch eine politische Satire auf die...
