Derb und subtil
Vor Kurzem bewegte sich Dirk Bach noch zwischen Kakerlaken und Känguruhoden. Dass der Kölner Comedian mit der barocken Figur und dem Hang zum trashigen Humor viel mehr kann, als das RTL-Dschungelcamp mit allerlei Hüten und Zoten zu dekorieren, zeigte das langjährige Ensemblemitglied des Kölner Schaupielhauses am Berner Stadttheater in Brittens «A Midsummer Night’s Dream». Ganz allein steht er zu Beginn als Straßenkehrer auf der Bühne, ehe sich der Platz allmählich mit verschiedenen Paaren füllt.
Regisseur Anthony Pilavachi hat diesem Sommernachtstraum einen pantomimischen Prolog vorgeschaltet, der den von Britten gestrichenen ersten Akt der Shakespeare-Komödie andeutet. Die Fetzen fliegen, der Brautstrauß landet im Mülleimer. Dirk Bach riecht an einer Blüte – dann erst setzt die Musik ein mit ihren zarten Streicher-Glissandi, die in der sensiblen, klangschönen Interpretation des Berner Symphonieorchesters unter der Leitung von Dorian Keilhack ihn den Boden unter den Füßen verlieren lassen. Unter den Händen von den als Schulkinder gekleideten Elfen (charmant und intonationsrein der Kinderchor der Musikschule Köniz) verwandelt sich der Müllmann zu Puck – mit Clownsmund und großen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisen nähren Utopien. Nicht wenige träumen wieder von einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft. Der amerikanische Präsident denkt laut über eine atomwaffenfreie Welt nach – Thomas Morus grüßt aus der Ferne. Was macht da ein Regisseur mit der Utopie von Erlösung durch Mitleid, wie sie Richard Wagner in seinem «Parsifal» formuliert hat? Zumal dann, wenn er,...
«Ferdinand Leitner, ja der konnte alles, den ganzen Wagner genauso wie Fortner, Orff und Weill. Und er konnte es gut! Das war eben kein Routinier, sondern wirklich ein hervorragender Musiker». So urteilte Martha Mödl über den Dirigenten, dessen Image lange Zeit von seiner Stuttgarter Zeit geprägt war. Das Württembergische Staatstheater wurde in den fünfziger und...
In Schauspiel und Film kommen die Heroen der Kompositionsgeschichte prima an, besonders wenn sie von Heroen verkörpert werden. Richard Burton als monomanischer Richard Wagner; Peter Ustinov als verzottelter Beethoven; Martin Held und Ernst Schröder als Bach und Händel, fiktiv sich treffend und verbal sich duellierend: Das alles hat die großen Meister posthum wenig...
