Der Populist darf nicht gewinnen

Zoltán Kocsis vervollständigt Schönbergs «Moses und Aron»

Opernwelt - Logo

Darf man? Muss man? Braucht «Moses und Aron» den dritten Akt – oder ist er überflüssig wie ein Kropf? Fast zwei Jahrzehnte hatte Arnold Schönberg sich vergebens damit abgeplagt, einen Schluss für sein Opus magnum zu finden, und seine Witwe stellt im Nachwort zum Klavierauszug des zweiaktigen Torsos fest: «Wie es ist, so hat es sein sollen». Zoltán Kocsis, Komponist und Chefdirigent der Ungarischen Nationalphilharmonie, ein bukolischer, freundlich übersprudelnder Mensch, ist anderer Ansicht. «Ich konnte das Ende nicht so stehen lassen, wie es im Fragment präsentiert wird.

Wie es ist, endet es mit Moses’ Scheitern, aber meiner Überzeugung nach muss er unbedingt gewinnen.» Aron, der Populist, dürfe nicht als Sieger dastehen – das sei ja ein auch heute aktuelles Problem.

Schönberg litt seit den frühen Skandalen, die seine Kompositionen provozierten, unter der Diskrepanz zwischen der künstlerischen Wahrheit und der Notwendigkeit, diese dem Publikum zu vermitteln. »Moses und Aron» weitet diesen Konflikt ins Weltanschauliche: Auch das auserwählte Volk in der Wüste kann mit der Idee des einzigen, unvorstellbaren Gottes nichts anfangen, so lange sie ihm nicht anschaulich verkauft wird. Da ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2010
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Zu DDR-Zeiten war die Sächsische Staatskapelle geradezu ein Mythos. Karajan kam, Kleiber kam. VEB Deutsche Schallplatten und EMI produzierten billig, aber hochwertig an der Elbe. Der dunkle, deutsche Klang; die von Wagner sogenannte «Zauberharfe»; die 450 Jahre umspannende Tradition usw. usw. Nach der Wende hat das Orchester sein Niveau gehalten, was vor allem dann...

Der depravierte Führer

Der Anfang ist apart. Während die Musik Takt für Takt  zur Besinnung (und richtigen Intonation) gelangt, erleben wir auf der Bühne die Vision einer Vision. Sie spielt in einem opulenten Arbeitszimmer, das den Blick panoramagleich freigibt auf eine Landschaft aus schneebedeckten Bergen. Über allen Gipfeln Ruh’, vitalisierte Luft, Obersalzberg, das Gefühl von...

Impulse


Im Jahr 2005 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift «Wagnerspectrum». Was damals angekündigt wurde, hat sich in den zehn bislang erschienenen Heften zweifellos bewahrheitet: «Wagnerspectrum» ist zu einem Forum für die interdisziplinäre und internationale Wagner-Forschung geworden. Zum zentralen Forum mithin, dessen Sachbezogenheit und Themenbreite eine Conditio...