Der Pirat - ein Dichter
Nicht Fisch und nicht Fleisch muss «Il corsaro» für Giuseppe Verdi gewesen sein. Seine Meinung über die Byron-Vertonung schwankt. Zur Uraufführung, 1848 in Triest, fuhr er jedenfalls nicht. Verlagskuddelmuddel war hinzugekommen. Der «Macbeth» lag ein Jahr zurück, «Luisa Miller» stand noch bevor. Auf Kühnheiten wie in der Shakespeare-Anverwandlung warten wir im «Korsaren» vergeblich.
Dennoch, wenigstens zweimal in den nur gut anderthalb Stunden stößt die Musik zum Außerordentlichen vor – im von Solo-Bratsche und Solo-Cello eingefärbten Vorspiel zu des Helden Corrado Gefängnisszene, einer schmerzlich schönen Largo-Elegie, und im folgenden Duett des Piraten mit Gulnara, der Favoritin des Paschas Seid, die den Schlafenden gleichwohl erdolcht: eine über alle Konventionen hinausreichende, mehrteilige und immer neu angefachte Duettszene, die «La traviata», «Don Carlos», ja, bereits «Otello» ahnen lässt.
Für die Zürcher Oper bietet «Il corsaro» eine erneute Gelegenheit, sich als Weltmeisterin im Wiederentdecken zu profilieren. Im Graben besorgt das Eivind Gullberg Jensen, der erstmals mit einer Verdi-Oper konfrontierte norwegische Chef der NDR-Radiophilharmonie in Hannover, straff und ...
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Orchester des Teatro La Fenice di Venezia, John Eliot Gardiner. Solis-
ten: Anna Caterina Antonacci und Francesco...
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