Der Kuss der Venus
Tannhäuser hat es zu etwas gebracht. Herrschaftlich ist die teure Halle des Anwesens, das Kasper Bech Holten schon zur Ouvertüre präsentiert. Scharen von Dienstboten treffen unter den wachsamen Augen von Hausherrin Elisabeth Vorbereitungen für das angesetzte Sängerfest. Sie zählen Tischtücher, und sie polieren Gläser, während der Künstler an seinem Schreibtisch auf den Kuss der Muse wartet. Die Inspiration durch den unterdrückten Persönlichkeitsteil namens Venus erfolgt prompt mit Einsatz des flirrend-elektrisierenden Streichermotivs.
Und sie hat ungeahnte Folgen: Das Treppenhaus scheint sich um eine Spiegeldimension zu erweitern, und die Dienstboten verwandeln sich in ein Heer schenkelspreizender Verführerinnen und lüsterner Knaben. Der Schaffensrausch verändert das Bewusstsein des Künstlers und führt fortan dazu, dass er Vision und Realität nicht mehr auseinanderhalten kann.
Spektakulär ist es allemal, wie Kopenhagens Opernchef nach seinem viel beachteten «Ring» die Möglichkeiten des neuen Hauses für eine weitere psychoanalytische Wagner-Vision nutzt. Die Eingangshalle, die Ausstatterin Mia Stensgaard gebaut hat, taugt als realer Raum für großbürgerliche Festlichkeit; zugleich ...
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(schmunzelnd) Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Nein, nicht im Großen Musikvereinssaal in Wien. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker habe ich mir auch nicht im Fernsehen angesehen. Ich bin kein Freund dieses Events; man muss jedem Menschen solche Idiosynkrasien zugestehen.
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